Auto, spiel mit mir! Wie zwei Studenten die Zeit im Roboterauto nutzbar machen wollen

Wenn es nach Erik Franz und Maximilian Werner geht, die als studentische Hilfskräfte bei uns am Fraunhofer IAO arbeiten, bestellen wir künftig bei Bedarf ein autonom fahrendes Auto und passen den Innenraum per App schnell und unkompliziert an unsere Vorlieben an. Mit dieser Idee haben die zwei Studenten der Universität Stuttgart den 1. Preis beim Future Lab »EY Creator« auf dem Auto-Gipfel des Handelsblatts gewonnen. Wir fragen die beiden, wie ihre Idee konkret aussehen soll und wie sie entstanden ist.

Glückwunsch, Erik und Maximilian – ihr wurdet als Studenten zum Auto-Gipfel des Handelsblatts eingeladen und habt dort in zwei Tagen eine Mobilitäts-App entworfen, die gleich den ersten Platz des Wettbewerbs »EY Creator« gewonnen hat. Erzählt doch kurz, was ihr dort gemacht habt.

Maximilian: Der »EY Creator« war ein Future Lab, das dieses Jahr beim Auto-Gipfel zum ersten Mal veranstaltet wurde. Ziel war es, die Themen der zukünftigen Mobilität nicht nur innerhalb der Autobranche zu diskutieren, sondern »uns« als zukünftig Betroffene aktiv in den Diskurs zu involvieren. Dazu wurden Studenten der TU München, der TU Braunschweig und der Universität Stuttgart eingeladen. Wir erhielten drei Aufgabenstellungen, die wir innerhalb der zwei Tage bearbeitet haben und am Ende vor dem Publikum in einer Art Elevator Pitch präsentieren durften. Die Visionen wurden dann in einer Publikumsabstimmung bewertet. Es ging dabei um die Zukunft der Automobilität, die Neuorganisation der freien Zeit im Roboterauto sowie die Kombination von Blockchain und dem Automobil. Wir haben das Thema Zeitorganisation im Roboterauto bearbeitet unter dem Motto: »Wie kann die freie Zeit im Roboterauto neu organisiert werden? Auto – SPIEL MIT MIR!«

Future Lab »EY Creator« auf dem Auto-Gipfel
Die Gewinner Maximilian Werner (links) und Erik Franz nehmen den 1. Preis des Future Lab »EY Creator« entgegen.

 

Könnt ihr eure Vision kurz beschreiben?

Erik: Mit Hilfe unserer Mobilitäts-App kann der Innenraum eines Roboterautos individuell und flexibel an die aktuellen Bedürfnisse der Insassen angepasst werden. Dazu verarbeitet eine künstliche Intelligenz biometrische Daten, Kalender und To-Do-Listen sowie Vorlieben der Person, um in Abhängigkeit des aktuellen Tagesablaufs einen Innenraum vorzubereiten, der zum Zeitpunkt den größten Mehrwert versprechen würde.

Das heißt, die App erkennt, ob ich gerade entspannen will oder ich gleich eine Telefonkonferenz führen muss?

Maximilian: Das ist richtig, die App analysiert den bisherigen Tagesablauf sowie ggf. die Vitalwerte wie den Puls und schlägt mithilfe einer kontinuierlich lernenden künstlichen Intelligenz eine entsprechende Innenraumgestaltung vor. Wir sind bei unserem Prototyp davon ausgegangen, dass die Zeit im Fahrzeug grundsätzlich entspannend, produktiv oder gesellig genutzt werden kann und man am besten das tut, was der Tag bisher nicht möglich gemacht hat. Wenn ich einen stressigen Arbeitstag hatte und direkt danach noch ein Familiengeburtstag ansteht, möchte ich mich entspannen. War ich allerdings am Wochenende tagsüber beim Sport und habe abends noch einen Saunabesuch geplant, dann fühle ich mich besser, wenn ich im Auto noch ein paar E-Mails abarbeiten kann.

Das klingt, als bräuchte die App dafür eine Menge Daten. Woher kommen die?

Erik: Die zentrale Schnittstelle unseres Konzepts ist das Smartphone, das wir heute bereits in vielen Bereichen unseres Alltags verwenden. In unserer App werden die verschiedenen Funktionalitäten wie Navigationssystem, Kalender, To-Do-Listen, Streaming-Dienste, Gesundheitsüberwachung, Carsharing usw. gebündelt. Aber auch Wearables wie beispielsweise ein Fitnesstracker können integriert werden. Hinzu kommt nur noch die Funktion zur Fahrtabwicklung und Innenraumkonfiguration.

Kann ich selbst bestimmen, welche Daten ich zur Verfügung stelle?

Maximilian: Der Datenschutz muss natürlich an aller erster Stelle stehen, das ist klar. Die App könnte grundsätzlich auch ohne die lernende Software benutzt werden, indem man sich die verschiedenen Innenräume einmalig konfiguriert und bei der nächsten Bestellung wieder abruft. Je nachdem, welche und wie viele Daten man freigeben möchte, wird einem diese Arbeit abgenommen und man braucht nur noch in ein Auto einzusteigen, das genau weiß, was man gerade möchte.

»Wie kann die freie Zeit im Roboterauto neu organisiert werden? Auto – SPIEL MIT MIR!«

Präsentation als PDF

Warum habt ihr euch gerade für das Thema Zeitmanagement im autonomen Auto begeistert?

Maximilian: Die Zukunft der Mobilität ist für mich klar das Roboterauto oder das autonome Fahren im Allgemeinen, denn das bietet mir eine großartige Chance, meinen Alltag effizienter zu gestalten. Wenn mir ein Auto täglich bis zu einer Stunde zusätzlicher Freizeit verschaffen kann, dann ist das ein extrem wertvolles Geschenk. Es macht mir großen Spaß, auf dieses Ziel hinzuarbeiten, und das kann ich unter anderem als studentische Hilfskraft im Team Mobility Innovation am Fraunhofer IAO. Dort forsche ich im Innovationsnetzwerk »FutureCar« am vernetzten, automatisierten und elektrischen Fahren, also genau an den Themen, die zur Bearbeitung der Aufgabenstellung nötig waren. Außerdem verfasse ich derzeit meine Masterarbeit über die Konzeption eines Robotertaxis. Der Auto-Gipfel war somit eine tolle Chance, verschiedene Hypothesen in der Öffentlichkeit zu testen. Beim Forum FutureCar am 23. November am Fraunhofer IAO werden übrigens erste Ergebnisse meiner Masterarbeit vorgestellt.

Sicher gab es auch viele Diskussionen mit den Teilnehmenden. Wie kamt ihr mit den anderen Anwesenden auf den Gipfel in Kontakt?

Erik: Für mich persönlich war gerade die Vernetzung mit so vielen interessanten Persönlichkeiten in der Automobilindustrie das Beste am Auto-Gipfel. Wir Teilnehmer des Future Labs haben unsere Ideen im Laufe der Tage viel untereinander diskutiert. Ich denke, dass alle drei Gruppen begeistert waren, dass es tatsächlich auch ein großes Interesse gab und wir ständig im Gespräch mit den Teilnehmern waren. Dazu hat auch das Format beigetragen: Ähnlich einem Messestand wurde für uns eine Art offenes Büro eingerichtet, in dem wir für das Publikum sichtbar und ansprechbar gearbeitet haben.

Das stelle ich mir ganz schön laut vor – wie leicht ist es euch gefallen, inmitten der Messebesucher konzentriert und kreativ zu arbeiten?

Maximilian: Das hatten wir anfangs auch vermutet, aber wir wurden schnell vom Gegenteil überzeugt. Der Auto-Gipfel ist primär eine Fachkonferenz, sodass es während der Vorträge ruhig genug war, um konzentriert arbeiten zu können. In den Pausen wiederum kamen wir dann mit den Teilnehmern ins Gespräch. Das Format bot somit einen guten Mix aus ruhigen Arbeitsphasen und regelmäßigem Austausch mit dem Publikum.

Wie hoch schätzt ihr die Chance ein, dass eine App wie eure tatsächlich auf den Markt kommt?

Erik: Wir hatten ein längeres Gespräch mit der Mitarbeiterin eines großen Automobilkonzerns, die große Übereinstimmung zwischen unseren Ideen und ihrem aktuellen Projekt gesehen hat. Da haben wir erkannt, dass die Idee in die richtige Richtung geht und tatsächlich auch eine Anwendung in der Praxis haben könnte.

Das klingt vielversprechend. Wir danken euch für diese spannenden Einblicke und wünschen euch weiterhin viel Erfolg und Kreativität!

Maximilian Werner studiert Technologiemanagement an der Universität Stuttgart und schreibt derzeit seine Masterarbeit. Er begeistert sich für Sport in verschiedener Form wie Krafttraining, Hindernisläufe, Tauchen, Snowboard und Wandern.

Erik Franz schreibt seine Bacheloarbeit im Studiengang Fahrzeug- und Motorentechnik an der Universität Stuttgart und hat vor, einen Masterstudiengang im Bereich Technologiemanagement zu belegen. Er betreibt Leichtathletik (Mittelstreckenlauf) als Leistungssport.

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