Autonomes Fahren – Disruption am Immobilienmarkt?

Es ist ein bewährtes Spiel: Kaum sinken die Zinsen bei Bankguthaben, beginnt der Run auf Immobilien. Dass die zyklische Überhitzung des Markts früher oder später ein Ende haben wird, ist den meisten klar – dass wir uns aber insgesamt auf größere strukturelle Änderungen im Immobiliensektor zubewegen könnten aber nicht. Heute beschäftigen wir uns meist mit der Frage, wie autonomes Fahren zu unseren heutigen Städten passt. Dabei hat die Technologie das Potenzial, die Stadt an sich zu verändern – und vor allem den Immobilienmarkt in unserer alternden Pendler-Gesellschaft auf den Kopf zu stellen.

Bisherige Betrachtungen: Weniger Druck in der Innenstadt – Parken vs. Verkehrsfläche

Autonome Fahrzeuge könnten zur Reduktion des Parkflächenbedarfs in Städten beitragen, da die Autos nach Zielankunft selbstständig weiterfahren und z.B. außerhalb parken könnten. Dies würde aber im Umkehrschluss zu einer Erhöhung des Verkehrsaufkommens führen. Die entscheidende Frage dabei ist, ob sich autonome Sharing-Systeme durchsetzen werden oder es beim klassischen Individualverkehr bleiben wird – ein Fahrer, ein Auto, oder viele Teilnehmer für gemeinsam genutzte Fahrzeuge.

Der demografische Wandel und das autonome Fahren

Gravierende Veränderungen wird das autonome Fahren wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel auslösen. Es wird immer mehr ältere Menschen geben. Für sie liegen Vorteile des autonomen Fahrens auf der Hand: Sichere Mobilität ganz unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Ältere Menschen bevorzugen Wohnlagen meist nicht in der Innenstadt, sondern in Richtung Stadtrand. Werden dies auch noch die bevorzugten Gegenden sein, wenn sich autonome Fahrzeuge durchsetzen und falls ja, werden die Verkehrsinfrastrukturen dort ausreichen?

Pendler und die grüne Wiese

Deutschland ist heute schon die Republik der Pendler. Autonomes Fahren wird dies noch weiter begünstigen. Die Zeit im Fahrzeug kann sinnvoll oder zur Entspannung genutzt werden und macht somit bisher eventuell unattraktive – weil abgelegene – und somit preisgünstige Lagen attraktiv. Denkbar wäre dies bei jungen Familien, die auf das Haus im Grünen nicht verzichten wollen oder generell bei Haushalten mit gutem Einkommen, die sich den Umstieg auf autonome Mobile leisten können. Die neue Mobilität stellt somit viele bisherige Immobilienpräferenzen auf den Kopf – ganz zu schweigen von den gewaltigen Umwälzungen bei der Verkehrsinfrastruktur, im Falle einer Neubewertung von Mobilität und Immobilien.

Implikationen für Stadt und Immobilienmarkt

Sicherlich wird noch einige Zeit vergehen, bis autonomes Fahren zu unserem Alltag gehört. Erste spürbare Auswirkungen sind aber bereits in den kommenden Jahren möglich. Zu Beginn wird autonomes Fahren nicht überall erlaubt sein, vor allem in der Innenstadt nicht. Zu erwarten wäre deshalb, dass zunächst autobahnnahe Wohngebiete attraktiver werden, vor allem bei Arbeitnehmern im Industriesektor, die bequem autonom über Autobahnen zu ihren meist autobahnnahen Arbeitsplätzen pendeln könnten. Zwar werden räumliche Nähe und Lebensqualität trotz autonomen Fahrens auch zukünftig noch eine große Bedeutung haben, trotzdem sollten Sie sich darauf einstellen, dass eine geradezu disruptive Neuausrichtung des Verhältnisses von Mobilität und Immobilien bevorsteht. Dies haben Mobilitätsrevolutionen bisher immer mit sich gebracht, sei es durch die Erfindung der Eisenbahn oder die Verbreitung des individuellen Massenverkehrs.

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Tobias Männel

Tobias Männel

Tobias Männel hat das Institut 2017 verlassen.

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