Design (Thinking) – der Schlüssel für mehr Unternehmertum in der Wissenschaft?

In Stanford sind sie schon lange der Überzeugung, Tech-Start-ups haben es in ihrer DNA, nun sind auch alle großen Unternehmensberatungen auf den Zug aufgesprungen: Design-Thinking-Methoden (wie der prominente Design-Thinking-Ansatz) helfen neue Geschäftsmodelle zu erschließen, Innovationen zu fördern und neue Verwertungswege für Technologien zu entwickeln. In den vergangenen 5 Jahren wurden europaweit mehr als 30 renommierte Designagenturen von Unternehmensberatungen übernommen.
Die Wissenschaft gilt so oft als Impulsgeber und Vorreiter – doch sollte sie sich an dieser Stelle einmal etwas von den anderen abgucken und Design in ihre Forschungsteams integrieren, um frühzeitig innovative Verwertungskanäle für die Forschung zu identifizieren?

Notwendige Teamkompetenzen für erfolgreiche Ausgründungen

Wissenschaftliche Gründungsteams müssen gemäß der aktuellen Forschung drei Kompetenzen aufweisen, um erfolgreich ein Unternehmen zu initiieren und am Markt zu bestehen:

  1. 1.Opportunity Development Competence, die Kompetenz, eine realisierbare Idee für ein Geschäftsmodell und Unternehmen zu identifizieren (also erst einmal auf die Idee kommen, ein Unternehmen auf Basis ihrer Forschung zu gründen);
  2. 2. Championing Competence, die Kompetenz, Teamspirit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Team zu etablieren, sodass die Teammitglieder Energie aufbringen und Leidenschaft für das Gründungsvorhaben entwickeln;
  3. 3. Resource Acquisition Competence, die Kompetenz, andere (Investor/innen, vorgesetzte Professor/innen und Teamleiter, Kollegen) von der Idee zu überzeugen und somit Ressourcen zu akquirieren (finanzieller Art und materieller Art wie z. B. Räumlichkeiten und Labore).

Die Rolle von Design in Ausgründungsprozessen

Design unterstützt die Entwicklung dieser drei Kompetenzen in vielerlei Hinsicht:
Erstens: Designmethoden wie Design Thinking helfen, Prozesse zu öffnen, Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und vielfache, vielfältige Anwendungsszenarien zu generieren. Das heißt, durch frühzeitige, tiefergehende Ideengenerierung steigert Design sowohl die Quantität möglicher Anwendungen als auch deren Qualität. Durch intensivere Ideation trägt Design somit zur Entwicklung und Stärkung der Opportunity Development Competence bei.

Zweitens: Durch frühzeitige Visualisierungen und stärkere Kommunikation auf unterschiedlichen Kanälen initiiert und unterstützt Design die Entwicklung gemeinsamer Visionen innerhalb des Teams und fördert kollektive Erfahrungen. Dadurch stärkt es die Championing Competence in Gründungsteams.

Drittens unterstützt Design die Umsetzung der Gründungsideen durch greifbare »Design-Produkte«: Prototypen, Mock-ups und MVPs (minimal viable products) helfen, Technologien, Anwendungen und Geschäftsmodelle erfahrbar zu machen und somit andere dafür zu begeistern. Auf diese Weise stärkt Design die Resource Acquisition Competence.

Und was machen wir daraus?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die proaktiv die Verwertung ihrer Forschung fördern wollen, könnten sich individuell weiterentwickeln (#Weiterbildung, #Personalentwicklung).
Entscheidungsträger/innen und Führungspersonen in Forschungsorganisatoren könnten ihre Forschungsteams so aufstellen, dass sie über Design-Know-how verfügen – sei es durch interne oder externe Expertise (#Kompetenzvielfalt).
Mittelgeber – private Investoren, aber auch öffentliche Fonds – könnten die (mindestens partielle) Integration von Design-Know-how-Methoden als Kriterium in Ausschreibungen und Förderangeboten etablieren, um Verwertung von Forschung frühzeitig zu fördern.

Designexpertise und -methoden können ein Schlüssel zu mehr Unternehmertum in der Wissenschaft sein.

Erforscht haben wir die Rolle von Design in Ausgründungsprozessen in dem BMBF-geförderten Projekt »Wissensdreieck« – zu dem interdisziplinären Forschungsansatz können Sie demnächst hier noch mehr lesen.

Das Forschungsprojekt »Wissensdreieck«: In dem BMBF-geförderten Projekt untersuchen wir, wie das Potenzial transdisziplinärer Teamarbeit für wissenschaftliche Ausgründungen nutzbar gemacht werden kann. Darauf aufbauend zeigen wir Wege auf, wie Ausgründungen initiiert und sinnvoll begleitet werden können, um die wirtschaftliche Verwertung und den Transfer von Forschung in die Gesellschaft zu fördern.

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Anna Sinell

Anna Sinell

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation. Forscht und promoviert zum Thema Wissens- und Technologietransfer. Interessiert sich besonders für akademische Ausgründungen und Unternehmertum.

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