Die neue Rolle der beruflichen Bildungsanbieter: Facilitator in der Innovations- und Wissensgesellschaft

Menschen sind in der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt, die Schlüsselressourcen der Wertschöpfung. Deshalb stellt die Befähigung anderer Menschen so etwas wie das Upgrade von der Handschrift zur Schreibmaschine oder von der Schreibmaschine hin zum Computer dar. Bildung ist der Katalysator für ökonomische Entwicklung, das Triebmittel, um aus neuen Entwicklungen echte wirtschaftliche Entwicklungen zu machen! Ich bin der Überzeugung, dass berufliche Bildung in den kommenden Jahren – nach langjähriger Prophezeiung – nun tatsächlich eine exponentiell zunehmende Bedeutung in der Arbeit erfahren wird. Auch für Bildungsanbieter ist es deshalb Zeit für ein Upgrade.

Das InnoVET- Projekt BexElektro
Das InnoVET-Projekt BexElektro wurde im Dezember 2020 mit weiteren 9 Partnern gestartet. In diesem Projekt werden wir uns mit den beschriebenen Fragen aus der Perspektive eines Verbundprojektes im Bereich der Elektromobilität / regenerativer Energie / Smart Home beschäftigen und beispielhafte Bildungsangebote erarbeiten und evaluieren. Wir werden an dieser Stelle in den folgenden Monaten über Ansätze und Erfahrungen im Umgang mit den im Folgenden skizzierten Herausforderungen in regelmäßiger Folge berichten.

Berufliche Bildungsanbieter brauchen ein neues Rollenverständnis

Beim Lebenslangen Lernen wird zumeist auf das Individuum und die betriebliche Umsetzung geschaut. Ich möchte mir heute die Zeit nehmen, um die Perspektive der beruflichen Bildungsanbieter zu vertiefen und von den Erfahrungen und Einsichten berichten, die wir im großen Forschungsprojekt zur Beruflichen Bildungsexzellenz (BexElektro) derzeit gewinnen. Die Aufgaben und die an die beruflichen Bildungsanbieter gestellten Anforderungen ändern sich angesichts unserer gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen enorm: sie stehen unter einem massiven Anpassungsdruck, in immer schnelleren (Technologie-)Zyklen Wissen mit immer kürzerer Halbwertszeit aufzunehmen und in den Transfer der Qualifizierungen zu bringen. Auch verschiebt sich derzeit der Anspruch an die Wirksamkeit der vermittelten Inhalte vom Fachwissen und -können auf immer weitreichendere Handlungskompetenzen. Ich erwarte angesichts dieser Anforderungen, dass sich der Markt der Bildungsanbieter spürbar verändern wird. Meine Hypothese: Die berufliche Bildungslandschaft wird sich verändern, mutmaßlich differenzieren und in den Erfolgsfaktoren verschieben. Zukünftig wird profitieren, wer angesichts des Wandels eine erfolgreiche Neuausrichtung initiiert und wem es gelingen wird, sich von einem Nachfragemarkt hin zu einem echten Marktgestalter zu positionieren.

Die Wirtschaft braucht neue Bildungsanbieter

Aus unserem aktuellen Forschungsprojekt BexElektro heraus sehen wir folgende neue Aufgaben/Erfolgsfaktoren für Bildungsanbieter:

  • Top-Aktualität der Bildungsangebote: Wie bereits beschrieben, ist je nach Fachfokus eine Konzentration auf Fachsystematiken angesichts immer schnellerer Wissens- und Technologiezyklen nicht mehr ausreichend. Wir brauchen eine noch deutlich schnellere Identifikation von neuen Lernfeldern, agilere Prozesse für Trendmonitoring und Lerncontententwicklung, ein intelligentes Zusammenbinden von Fachdomänen und vor allem ein kürzeres „time to market“ mit Blick auf die Bildungsprodukte.
  • Transmissionsriemen für KMU: Der Umbau und Ausbau von Weiterbildungsstrukturen ist eine langfristige und komplexe Aufgabe, die gerade aus Sicht von kleinen und mittelständischen Betrieben nicht vorangetrieben werden kann. Wir sehen hier die beruflichen Bildungsanbieter in der Funktion, die Ziele der Bildungspolitik praktisch umzusetzen und wahr werden zu lassen. Es ist eine riesige Chance für die Anbieter, sich weg vom Vermittler hin zum (Mit-)Gestalter neuer Weiterbildungsstrukturen neu zu positionieren.
  • Organisationsentwickler in Kundensystemen: Wer Bildungsaufträge übernimmt, unterstützt einerseits bei der Anpassung und Qualifikation für (neue) Aufgaben, anderseits ist Bildung immanenter Bestandteil von Persönlichkeitsentwicklung und im Anschluss auch der Organisationsentwicklung, für dessen Kontext diese Person qualifiziert wurde. Je stärker Bildungsangebote darauf ausgelegt sind, notwendige Anpassungen im Leistungsangebot einzuleiten und umzusetzen, desto stärker übernehmen Bildungsanbieter auch die Rolle als organisatorische Fachberater. Eine verantwortungsvolle Aufgabe!
  • Gesellschaftlicher Innovationsbeschleuniger: Die großen Transformationsaufgaben in der Gesellschaft – in Pflege, Digitalisierung, Demografie oder Klimaschutz – brauchen die berufliche Bildung in einer neuen Dimension, um den Herausforderungen gewachsen zu sein.

Wir werden im Laufe der Projektlaufzeit Tools und Prozesse aufsetzen, gemeinsam entwickeln und erproben, damit sich die beteiligten Bildungsanbieter für diese Aufgaben wappnen: Sei es zum Trendscouting, den Möglichkeiten, das Ohr am Kunden zu haben oder transparente Anrechnung und Anerkennung von Weiterbildung aufzubauen. Das Projekt wird die Chance für die Bildungsanbieter sein, die eigene Rolle als Facilitator in der Innovations- und Wissensgesellschaft auszuloten und sich entsprechend zu positionieren. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

Leselinks:

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.