Hinter den Kulissen von Hackathons: Prototypen im Zeitraffer

Nicht nur in der IT-Branche gehören Hackathons inzwischen zur Branchenkultur. Aus den »Klassentreffen« der Nerds und Programmierer sind inzwischen Innovationslabore und Netzwerkverstärker geworden.

Auch ich habe in den vergangenen zwei Jahren an drei Hackathons teilgenommen, zwei Mal privat und einmal beruflich. Die Teilnahme am ersten Hackathon war einfach nur aus purer Neugier begründet und um mitsprechen zu können – doch hinter den Kulissen wurde schnell deutlich, dass Hackathons viel mehr sind, als bunte Festivals der Programmiererszene.

An »Out-of-the-Box«-Fragen forschen

Im ersten Beitrag unserer Blogreihe wurden die Erfolgsfaktoren von Hackathons vorgestellt. Ich möchte in diesem Beitrag die besonderen Mehrwerte von Hackathons beleuchten, die weit über ein Kennenlernen uns spielerisches Ideenverwirklichen hinausgehen:

Hackathons bringen motivierte Menschen – seien es Studierende oder Mitarbeitende verschiedener Bereiche der Wirtschaft – zusammen, um sich intensiv mit spannenden neuen Fragestellungen zu beschäftigen. Je nach Teilnehmer ist die Motivation natürlich unterschiedlich: Für Studierende sind Hackathons eine gute Gelegenheit an Aufgaben, Fragestellungen oder mit Technologien und Schnittstellen zu arbeiten, mit denen sie sonst nur mit einem Arbeitsvertrag in einem Unternehmen in Kontakt kommen. Mitarbeitende von Unternehmen nehmen teil, um ihr Netzwerk zu stärken und sich zum Beispiel bei eigenen Fragestellungen im Unternehmenskontext externe Impulse einzuholen.

Sich neuen Herausforderungen stellen

Bei einem Hackathon hat man die Möglichkeit, selbst einmal ins kalte Wasser zu springen und neue Fähigkeiten heraus zu kitzeln: Man muss sich mit anderen spontan in einem Team zusammenfinden, sich auf ein Thema einigen, an der Aufgabe arbeiten und letztendlich die Ergebnisse gemeinsam präsentieren. Und das alles möglichst effizient und unter Zeitdruck. Je nach Länge des Hackathons – meist finden diese über das Wochenende statt – stehen nur 24 bis 48 Stunden für all diese Punkte zur Verfügung. Dazu braucht man eine gewisse Portion Leidensfähigkeit. Schon vorab sollte man sich die Frage stellen und auch im Team frühzeitig kommunizieren: Möchte ich wirklich die ganze Nacht durchmachen? Möchte ich unter allen Umständen gewinnen oder steht der Spaß an der Sache im Vordergrund? Denn nichts ist frustrierender, als in einem Team zu arbeiten, in dem alle nur das Mindeste beitragen. Ganz wie in der realen Welt.

Volle Konzentration auf die Aufgabe und rasante Fortschritte

Beeindruckend ist, welche Ergebnisse in einer so kurzen Zeit herauskommen. Auch wenn man bedenkt, dass eine 24 Stunden-Schicht im Hackathon drei Arbeitstagen einer 40-Stunden-Woche entsprechen. Die Zeit die von den Teams investiert wird, um einen Prototypen oder einen Show-Case für die Jury-Präsentation zu erarbeiten, ist kostbar. Dabei ist es nicht viel anders als in der Arbeitswelt. Eine Störung oder Ablenkung ist irgendwie immer unerwünscht. Man möchte weiterkommen und die Zeit sitzt einem im Nacken. Beim Hackathon ist jedoch der Vorteil, dass alle Störfaktoren ausgeschaltet werden: kein Telefonanruf, Kollege oder Chef, der einen aus der Konzentration bringt, sondern höchstens der Tischnachbar, der technische oder allgemeine Verständnisfragen hat, oder der Veranstalter, der darauf hinweisen will, dass es nun Essen gibt.

Think, Drink, Eat, Repeat

Innovation geht auch durch den Magen. Letztendlich freut sich jeder Teilnehmer darüber, wenn er sich selbst keine Sorgen machen muss, ob er sich bei den allseits bekannten Lieferdiensten eine Pizza bestellen muss oder nicht. Mit einer ausreichenden Versorgung von Getränken – seien es koffeinhaltige Kaltgetränke, Kaffee, oder einfach nur Wasser – lässt es sich viel angeregter und zum Teil auch viel länger arbeiten.

Hackathon-Arbeitsplatz
Die Zeit muss produktiv genutzt werden. Neustart des Rechners während des ausgefallenem Mittagessen beim SmartCharging Hackathon in Amsterdam. © Julien Ostermann
SmartChargingChallenge in Amsterdam
Ein Sieg als Belohnung für 24h harte Arbeit für das die Projekte eMobility-Scout und Co-Charge TUE bei der SmartChargingChallenge in Amsterdam. © Amaury Miller, Smart Charging Challenge

Der Hack ist das Ziel

Am Ende kommt es natürlich auch auf die Ergebnisse des Hackathons an. Diese fallen je nach Skills, Interessen, Motivation und Organisation von Team zu Team unterschiedlich aus. Doch der Weg zu diesen Ergebnissen war bei meinem Hackathons immer von großem Teamwork geprägt. Es ist erstaunlich mit zu erleben, dass so viele zusammengewürfelte, teils Fremde, so produktiv miteinander arbeiten. Sofern es Probleme gibt, helfen sich die konkurrierenden Teams – wie selbstverständlich – untereinander. Trotz Wettbewerb. Denn am Ende zählt neben dem erreichten Ergebnis vor allem auch der Weg, wie man dahin gelangt ist. Die fachlichen und zwischenmenschlichen Erfahrungen in den Hackathons machen für mich den echten Ausschlag und sind alle Zeit und Anstrengung wert.

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