Industrie 4.0: So kommen neue Technologien in Mittelstand und Handwerk

Bereits in meinem letzten Blog hatte ich die ungenutzten Potenziale der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Bezug auf cyber-physische Systeme (CPS) angesprochen. Aber warum ist das so? Warum ergreifen Mittelständler und Handwerksbetriebe nicht die Chance, auf der Welle von Industrie 4.0 mitzuschwimmen?

Eine Theorie, die auch die Studie »Erschließen der Potenziale von Industrie 4.0 im Mittelstand« bestätigt, ist, dass die Entwicklung passender Technologien im Fokus steht, wenn es darum geht, neue Produktionsmöglichkeiten zu schaffen. Dies ist für die Unternehmen, die dadurch ein neues Produkt auf den Markt bringen oder ein neues Geschäftsfeld erschließen können, eine tolle Sache. Ins Hintertreffen gerät jedoch die Frage, wie kleine Handwerksunternehmen oder Mittelständler neue »High Tech-Lösungen« auch für sich selbst nutzen können. Es mangelt also derzeit noch an der Zusammenführung, Aufbereitung und Vermittlung der Ergebnisse in einer Form, die für den produzierenden Mittelstand und das Handwerk geeignet ist.

Vier-Stufen-Plan: So wird Mittelstand und Handwerk fit für Industrie 4.0

Den gerade beschriebenen Mangel geht nun das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie an und richtet Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, eines davon in Stuttgart und Karlsruhe, ein, um mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe bei der Digitalisierung und Vernetzung sowie Anwendung von Industrie 4.0 zu unterstützen. Wie genau funktioniert das?

1. In der ersten Stufe »Sensibilisierung« steht das Wecken von Aufmerksamkeit und Interesse für die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 im Fokus. Mittelständische Unternehmen sollen angeregt werden, sich mit den Chancen und der Notwendigkeit der Digitalisierung der Wertschöpfung innerhalb von Vorträgen, Veranstaltungen und Diskussionsforen zu beschäftigen.

2. In der zweiten Stufe »Demonstration« steht die mittelstandsgerecht aufbereitete Veranschaulichung bestehender Anwendungen, Lösungen und Exponate für Digitalisierung und Industrie 4.0 im Fokus. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe sollen an Lösungen, wie zum Beispiel im Future Work Lab, sehen welche konkreten Ansatzpunkte im Bereich der Produktion für ihr Unternehmen und ihr jeweiliges Geschäftsmodell heute bereits möglich sind.

3. Die dritte Stufe »Qualifizierung« dient dem zielorientierten Kompetenz- und Wissensaufbau in Mittelstand und Handwerk. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Schulungs- und Seminar-Konzepten und Inhalten für Dienstleister/Umsetzer. Digitalisierung soll sowohl technologisch, organisatorisch als auch sozial verstanden und eingeordnet werden können. Die Teilnehmer werden über den Stand der Technik und den Stand der bereits heute möglichen Umsetzung informiert, auf neue Geschäftsfelder aufmerksam gemacht und auf spezialisierte Orte für einzelne Bereiche und Branchen des Mittelstands 4.0 hingewiesen.

4. Die vierte Stufe »Integration« dient der tatsächlichen Umsetzung von Digitalisierungslösungen in Mittelstand und Handwerk. Durch Projekte unterschiedlicher Laufzeit und Größenordnung sollen über die Projektlaufzeit sichtbare Erfolge in Form von umgesetzten innovativen Lösungen der Digitalisierung realisiert werden. Konkrete Unterstützungsangebote sind hierbei Mikro- und Umsetzungsprojekte, die in KMU oder Handwerksunternehmen durchgeführt werden.

Kick-Off Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Stuttgart: Machen Sie den ersten Schritt!

Wenn ich Ihr Interesse am Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart geweckt habe, sind Sie herzlich eingeladen, am Kick-Off Meeting am 28. März 2017 am Fraunhofer-Institutszentrum in Stuttgart teilzunehmen. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, sich über, größtenteils kostenfreie, Teilnahmemöglichkeiten innerhalb des Vier-Stufen-Plans zu informieren oder in Kontakt zu uns und anderen Teilnehmern zu treten.

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Jessica Klapper

Jessica Klapper

Als Arbeitswissenschaftlerin erforscht sie die Möglichkeiten menschzentrierter Umsetzung von Industrie 4.0-Anwendungen im Produktionsumfeld. Auch privat steht bei ihr der Mensch im Mittelpunkt: Soziales Engagement und interkulturelle Kommunikation, besonders nach Asien, beschäftigen sie am Wochenende.

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1 Kommentar

  1. Liebe Frau Klapper,
    herzlichen Dank für den anschaulichen Beitrag. Und man kann es nicht deutlich genug unterstreichen: der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Da gibt es kein Vertun. Der Erfolg des Mittelstands auch auf der Strecke der Digitalen Transformation, der „Industrie 4.0“, ist kritisch auch für die Leistungsfähigkeit der Grossunternehmen vor Ort. Das Wertschöpfungsnetzwerk insgesamt muss stark bleiben, es wäre sehr gefährlich, wenn Elemente herausbrechen oder an Leistungsfähigkeit verlieren würden. Insofern ist es auch gut, wenn der Blick auf die kleineren und mittleren Unternehmen als strategisch bedeutsam erachtet wird und man sich dieser Gruppe mit Leidenschaft und Tatendrang zuwendet. Vorbildlich diesbezüglich meiner Erfahrung nach der VDMA, der der mittelständisch geprägten Branche des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus auf verschiedenste, jedoch stets praxisfokussierte Art und Weise Unterstützung bietet. Ein Blick auf deren Homepage lohnt.
    Anhand dieser innovativen, technologieintegrierenden Branche wird auch fast schon lehrbuchhaft deutlich, welche Rolle der gedankliche Ankerpunkt der heutigen und möglichen zukünftigen Geschäftsmodelle des jeweiligen Unternehmens hat. Ohne ein Verständnis diesbezüglich, ohne einen validen „Plan“ diesbezüglich für die kommenden Jahre, wird es sich jedes Unternehmen schwer tun, zielgerichtet und profitabel zu investieren. Digitale Transformation, „Industrie 4.0“, geht nicht mit der Giesskanne!

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz,
    Dr. Christian Abegglen

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