Blogreihe Ko-Kreation und Innovation
In unserer Blogreihe »Ko-Kreation und Innovation« gehen wir der Frage nach, warum es mehr Perspektivenvielfalt im Innovationsprozess braucht, was Ko-Kreation eigentlich ist und welche Mehrwerte sie Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen bietet. Wir sprechen über die Voraussetzungen, die für erfolgreiche Ko-Kreation erforderlich sind und darüber, wie man unterschiedliche Menschen erreicht und motiviert, um sich und ihre Perspektiven in Innovationsprozesse einzubringen. Unser Ziel dabei: Den Innovationsstandort Deutschland stärken!

Stellen Sie sich vor, Sie wüssten, was Ihre Kunden wirklich wollen, was Ihre Partner wirklich bewegt, oder welche Aspekte Sie an Ihrem Angebot weiter entwickeln müssen, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Dafür braucht es keine magische Formel. Es reicht völlig, wenn Kunden, Kooperationspartner oder andere Zielgruppen Ihre Produkte nicht erst bei der Markteinführung kennen lernen, sondern bereits bei der Entwicklung methodisch eingebunden werden. Mit der ko-kreativen Service-Entwicklung möchte ich Ihnen einen Ansatz näherbringen, der auch Ihnen die partnerschaftliche Erschließung neuer Services und Geschäftsmodelle, ermöglichen kann.

Ko-kreative Ansätze: Klingt kompliziert, macht aber vieles einfacher

Ko-Kreative Dienstleistungsentwicklung, also die interdisziplinäre Entwicklung neuer Dienstleistungen, behandelt Stakeholder (potenzielle Nutzende, Unternehmensvertreter*innen, Expert*innen, Geschäftspartner) nicht (nur) als Zielgruppe, sondern als Wissensträger und Mitgestalter im Innovationsmanagement. Dabei stehen die Bedürfnisse der Nutzenden und die Ausrichtung der neuen Services und Produkte an eben diesen im Mittelpunkt. Der Ansatz der Ko-Kreation geht dabei noch einen Schritt weiter und bezieht auch die Perspektive des Anbieters oder potenziellen Partners frühzeitig mit kreativen Methoden wie Design Thinking und Design Sprints mit ein. Was auf den ersten Blick wie ein basisdemokratischer Gesprächskreis klingt, entpuppt sich in der Praxis als strategischer Vorteil, denn:

Ko-Kreation erhöht für alle Partner im Ökosystem die Chance auf Umsetzung, weil unterschiedliche Expertise eingebracht, Kundensicht frühzeitig berücksichtigt, zu enge Sicht vermieden wird und Ideen und Ansätze frühzeitig aus verschiedensten Perspektiven geprüft werden.

Doch wie funktioniert das konkret? Kunden und Stakeholder können je nach Bedarf über den gesamten Innovationsprozess einbezogen werden:

Co-Exploration: Probleme finden, bevor man Lösungen entwickelt

Schon vor der eigentlichen Entwicklung eines neuen Services können Kunden, Partnerunternehmen und Mitarbeitende aus Fachabteilungen als Ideengeber für neue Services fungieren oder Hinweise auf zu lösende Herausforderungen liefern. Das kann sowohl durch strukturierte Prozesse wie Befragungen, Marktforschungsaktivitäten oder ein internes Vorschlagswesen erfolgen. Oftmals sind es aber auch einfache Kundengespräche, zufällige Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen einer anderen Abteilung oder eine beiläufig aufgeschnappte Information, welche auf ein Problem aufmerksam machen. Standardisieren lässt sich das nur bedingt, vielmehr ist hier eine von Austausch und Neugier geprägte Kultur gefragt. Da es in diese erste Phase besonders auf eine offene und interessierte Haltung aller Beteiligten ankommt, sprechen wir auch von Co-Exploration.

Co-Innovation: Lösungen testen, bevor man Produkte entwickelt

Ist eine reale Herausforderung oder eine allgemeine Problemstellung erst einmal erkannt und wird als relevant eingestuft, gibt es auch während des eigentlichen Innovationsprozesses zahlreiche Möglichkeiten, ko-kreative Ansätze zielgerichtet einzubeziehen. Dabei kann während der Co-Innovation-Phase auf ein breites Set an Methoden zurückgegriffen werden, die die Perspektivenvielfalt aller relevanten Akteure bei der Service-Entwicklung mehrwertstiftend nutzt, zum Beispiel durch moderierte Workshops mit verschiedenen Fachbereichen, externen Spezialistinnen und Spezialisten sowie potenziellen Partnerunternehmen. Die Definition der genauen Problemstellung, das Ergründen der Nutzerbedürfnisse sowie die gemeinsame Konzeption einer Lösung ermöglichen es, erste Ideen durch ein unmittelbares Feedback aus verschiedensten Blickwinkeln oder durch bestehende Erfahrungen von Expertinnen und Experten direkt einem Stresstest zu unterziehen und Unschärfen frühzeitig zu erkennen, noch bevor sich diese in ein Konzept oder Prototyp einschleichen.

Am Ende eines ko-kreativen Innovationsprozesses steht nach Möglichkeit ein prototypischer Service oder ein Produkt, das bereits erste Nutzer- und Funktionstests durchlaufen hat. Prototypen und Konzepte können anschließend von allen Stakeholdern gemeinsam auf deren Vorteilhaftigkeit und Kompatibilität mit den jeweiligen Zielen evaluiert werden. Nur so kann ein für alle Seiten erfolgreicher späterer Betrieb sichergestellt werden.

Abbildung 1: Ko-Kreative Entwicklung digitaler Services (eigene Darstellung).
Abbildung 1: Ko-Kreative Entwicklung digitaler Services (eigene Darstellung).

Ko-kreative Service-Entwicklung: Viele Perspektiven, viele Vorteile

Ko-kreative Methoden nutzen das vorhandene Wissen und die lebensechte Erfahrung aller Beteiligten besser, weil sie es dort einbeziehen, wo es am effektivsten neue Lösungen hervorbringen und Fehler vermeiden kann. Ihre Vorteile liegen klar auf der Hand:

  1. 1. Durch Ko-Kreation kann in kürzester Zeit auf weit mehr Know-how zurückgegriffen werden als bei traditionellen Entwicklungsprozessen.
  2. 2. Die Problemstellung wird frühzeitig von allen am Projekt beteiligten Stakeholdern verstanden und es werden weit mehr Pain Points identifiziert. Der so ermöglichte ganzheitliche Blick kann es verhindern, dass erfolgskritische Aspekte zunächst nicht berücksichtigt und später zum Verhängnis werden.
  3. 3. Es kann schnell überprüft werden, ob Ideen und Konzepte technisch umsetzbar sind (Einbezug technischer Expertise), zum Portfolio eines Unternehmens passen (Einbezug strategische Expertise) und auch einen wirtschaftlichen Mehrwert liefern (Einbezug betriebswirtschaftliche Expertise).
  4. 4. Durch frühes Feedback können kleine Anpassungen, aber auch größere Änderungen frühzeitig und mit vergleichsweise geringem Aufwand vorgenommen werden (geringe sunken costs).
  5. 5. Eine ko-kreative Arbeitsweise stärkt den abteilungsübergreifenden Austausch und Wissenstransfer auch über einzelne Projekte hinaus.

Ihr Einstieg in die Ko-Kreation

Ko-Kreation ist keine starre Methode, kein Schema F, das sich universell auf jedes Unternehmen und jede Herausforderung anwenden lässt. Die Methode muss zu den Teilnehmenden passen, damit sie sie befähigen, unterstützen und so den gemeinsamen Innovationsprozess zum Erfolg führen kann. Je nach Phase und vorhandenen Kapazitäten sind verschiedene Formate geeignet. Diese reichen von Workshop-Reihen über Lead User Gruppen bis hin zu Hackathons. Aufgrund dieser Vielzahl an Möglichkeiten, welche jeweils auf die Fragestellung, die individuellen Erfahrungen und Kompetenzen zugeschnitten sein sollten, kann es sinnvoll sein, hier externe Methodenexpertise hinzuziehen. Aber auch mit einfachen Mitteln lassen sich die genannten Vorteile nutzen. Denn grundsätzlich sind die meisten Fragestellungen geeignet, um sie mit ko-kreativen Methoden zu bearbeiten. Eine einfache Faustregel lautet dabei: Immer dann, wenn zur Entwicklung verschiedene Perspektiven und Kompetenzen gefragt sind, kann Ko-Kreation einen Mehrwert bieten.

Wenn Sie wissen möchten, wie Ko-Kreation zum Standortfaktor für das Innovationsland Deutschland werden kann, empfehle ich Ihnen den unten verlinkten Blogbeitrag meiner Kollegin Veronika Prochazka. Sie wünschen sich tiefere Einblicke in die konkreten Methoden, die der Werkzeugkastens der Ko-Kreation bereithält? Und fragen sich, wie man andere Personen erreicht und motiviert, sich in ko-kreativen Formaten einzubringen? Diesen und weiteren Fragen geht meine Kollegin Nina Hieber im nächsten Beitrag unserer Blog-Reihe nach. Wenn Sie also neugierig geworden sind, schauen Sie in drei Wochen wieder hier vorbei.

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Maximilian Feike

Maximilian Feike ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IAO und Teil des Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme in Heilbronn. Dort befasst er sich mit Fragestellungen rund um das Innovationsmanagement und Methoden zur Entwicklung digitaler Service.

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