Resiliente Wertschöpfung: Wie Sie sich vorbereiten können, um die nächste Krise besser zu meistern

Resiliente Wertschöpfung – Blogreihe zum Gemeinschaftsprojekt »ResiLike«
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie störanfällig die Liefer- und Wertschöpfungsketten unserer vernetzten Welt sind. Im Gemeinschaftsprojekt »ResiLike« (kurz für Resiliente Lieferketten) entwickeln die beiden Fraunhofer-Institute IAO und IFF Lösungsansätze für resiliente Liefer- und Wertschöpfungsketten. Ziel ist es, die Resilienz von Unternehmen zu steigern.

Die Pandemie hat uns auf drastische Weise gezeigt, dass wir es uns nicht mehr leisten können, unvorbereitet auf die nächste Krise zu warten oder diese nur durch enorme Anstrengungen und Inkaufnahme von Verlusten zu bewältigen. Die heutigen Wertschöpfungsketten sind komplexe und sensible Gebilde, die auf eine Krise vorbereitet sein müssen. Wertschöpfung läuft heutzutage Just-in-time und die Zeiten der großen Lagerhaltungen sind meistens vorbei. Daher ist es umso wichtiger, neue Ansätze zu entwickeln.

Das immer komplexere System von Wertschöpfungsketten kann von vielen Unternehmen nicht im Ganzen analysiert und verändert werden. Es ist daher an der Zeit, dass die Forschung die Untersuchungen und Entwicklungen vorantreibt, damit Lösungsmöglichkeiten für eine Resilienz bereitgestellt werden. Genau das machen wir jetzt gemeinsam mit dem Fraunhofer IFF im Projekt »ResiLike« (kurz für Resiliente Lieferketten).

Wie können Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten resilienter gestalten?
Was sind die Stellhebel bzw. Knackpunkte für resiliente Wertschöpfungsketten? Welche Erfahrungen gibt es schon und welche können bereitgestellt werden? Diese und weitere Fragen wollen wir mit diesem Projekt beantworten.

Es braucht ganzheitliche Lösungen: Resiliente Wertschöpfung betrifft alle

Das Thema der Steigerung von Resilienz in Wertschöpfungsnetzwerken und Organisationen besitzt eine erhebliche Marktrelevanz und wurde in den vergangenen Monaten bspw. auch im Rahmen des Innovationsdialogs der Bundesregierung als zentrales Aktionsfeld ausgerufen (siehe Leselinks). Im Zuge der Corona-Pandemie stand dabei vielerorts die Automobilindustrie auf Grund ihrer großen Bedeutung für den Standort Deutschland im Fokus. Im Jahr 2020 waren in der Branche allein in Deutschland über 800 000 Menschen beschäftigt und der Umsatz lag dabei bei knapp 380 Mrd. EUR (siehe Leselinks). Die Industrie zählt historisch gesehen zu den forschungsintensivsten Industrien. Die weltweiten Ausgaben der deutschen Automobilindustrie für FuE (Forschung und Entwicklung) betrugen vor Corona zwischen 40 und 45 Mrd. EUR (siehe Leselinks). Auf die internen Ausgaben entfielen dabei im Jahr 2018 rund 27 Mrd. EUR (siehe Leselinks).

Aus diesen Entwicklungen wird der Bedarf für die Entwicklung neuer Ansätze im Bereich der Resilienz deutlich. Es ist davon auszugehen, dass die Industrieakteure diese Aufgabe allein nicht werden meistern können, sondern auf die Unterstützung vielfältiger Stakeholder in den immer komplexer werdenden Systemen angewiesen sind. An genau dieser Schnittstelle wollen wir uns mit dem Projekt ResiLike positionieren. Gemeinsam mit unseren Kollegen vom Fraunhofer IFF gehen wir diese Herausforderung an, indem wir nicht nur Einzelaspekte betrachten, sondern vermehrt systemorientierte Herausforderungen in den Wertschöpfungssystemen der Unternehmen adressieren, um gesamtheitliche Lösungen zu entwickeln.

Resilienz ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess

Unter Resilienz wird im Kontext von Wertschöpfungsnetzen nicht nur die Fähigkeit verstanden, sich von widrigen und unvorhergesehenen Ereignissen zu erholen, sondern auch die Fähigkeit, potenzielle Systemstörungen frühzeitig zu antizipieren und durch Umsetzung von Maßnahmen zu besser angepassten Systemen zu gelangen. Folgt man diesem Verständnis, dann ist Resilienz weniger ein statischer Zustand, sondern vielmehr ein fortlaufender Prozess eines adäquaten Handelns, welcher sich über verschiedene Phasen von der Vorbereitung bis zur adaptiven Weiterentwicklung des jeweiligen Systems erstreckt. Unser Projekt verfolgt deshalb mehrere aufeinander aufbauende Ziele, die in Summe auf die Zielerreichung der vom BMBF formulierten Hightech-Strategie 2025 einzahlen. Auf einer übergeordneten Ebene geht es um folgende Aspekte:

  • Systemorientierte Betrachtung verschiedener Resilienzprinzipien
    Bestehende Projekte adressieren bislang nur einzelne Resilienzprinzipien (z.B. Adaptivität, Redundanz, Lernfähigkeit, etc.) oder einzelne Gestaltungsfelder (z.B. Mensch, Technik, Organisation, etc.). Wichtig ist jedoch, eine systemorientierte Betrachtung verschiedener Resilienzprinzipien, Gestaltungsfelder sowie damit verbundene Störgrößen und deren Wechselwirkungen vorzunehmen. Aufbauend auf diesem holistischen Ansatz werden wir im Projekt ausgewählte Liefer- und Wertschöpfungsketten sowie konkrete Arbeitssysteme der Automobilindustrie und verwandten Branchen analysieren. Eine Unterscheidung der Betrachtungsumfänge nach verschiedenen Wirkebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) bildet für uns darauf aufbauend die Basis für eine spätere Ableitung praxisorientierter Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz.
  • Handlungsbedarf von Partnerunternehmen identifizieren und Lösungsansätze ableiten
    Die Formulierung konkreter Handlungsmaßnahmen erfordert die Analyse unterschiedlicher Anwendungsfelder. In Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern aus der Wirtschaft werden wir daher aktuelle Herausforderungen in Form von Fallbeispielen untersuchen und darauf aufbauend Lösungsansätze ableiten. Dabei werden wir, soweit möglich, Primärdaten der Unternehmen für Modellrechnungen, Prozess- und Szenarioanalysen einsetzen. Zu den betrachteten Schwerpunkten gehören u. a. die Planung von Touren und Disposition im automobilen Liefersystem, die Dynamische Kommissionierung und Frachtinspektion bei Volkswagen, die Untersuchung von Herstellprozessen von elektromobilen Komponenten und deren Abbildung mittels eines digitalen Zwillings sowie die Gestaltung und Anpassung von Arbeitssystemen zur Wissenssicherung und -weitergabe.
  • Praxistauglichkeit und Übertragbarkeit auf andere Branchen diskutieren
    Die verzahnten Wertschöpfungsketten, die mit vielen Beteiligten versehen sind, benötigen neue Strategien und Lösungsmöglichkeiten, um das komplexe System stabil und resilient gegenüber Störungen zu machen. Die Untersuchungen an konkreten Fallbeispielen im Projekt ermöglichen es, dass übergeordnete Strategien und damit verbundene konkrete und praxistaugliche Handlungsmaßnahmen zur Steigerung der Resilienz in Liefer- und Wertschöpfungssystemen abgeleitet und strukturiert aufbereitet werden können. Die Erkenntnisse werden wir mit ausgewählten Stakeholdern, in Arbeitsgruppen und Gremien auf ihre Praxistauglichkeit und Übertragbarkeit auf andere Branchen diskutieren, um somit der geforderten Anschlussfähigkeit Rechnung tragen zu können.

Das Projekt startete im März 2021 und läuft bis zum Ende des Jahres (siehe Leselinks). Dieser Blogbreitrag stellt den Auftakt für eine Reihe an weiteren Beiträgen dar, die über Schwerpunktthemen des Projekts berichten werden und zu Diskussionen einladen. Haben Sie Fragen zum Projekt, dann schreiben Sie uns gern.

Leselinks:

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