Selbstorganisation im Homeoffice: 11 Tipps für den Umgang mit Entgrenzung

First-Science-KIT: IAO-Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
First-Science-KIT: Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
Die Coronakrise fordert von uns allen ganz neue Herangehensweisen und Lösungen im beruflichen Miteinander. Das Fraunhofer IAO hat deshalb eine Blogreihe gestartet, mit der wir schnell anwendbare Praxistipps weitergeben, gut funktionierende Beispiele vorstellen und Lösungswege während und aus der Krise aufzeigen wollen.

Können Sie sich noch daran erinnern, als wir noch zur Arbeit pendeln mussten? Es kommt einem wie eine Ewigkeit vor, wenn man unseren vorherigen Alltag mit der jetzigen Ausnahmesituation aufgrund der Corona-Krise vergleicht. Pendelwege stehen zwar in der Vorstellung der meisten Leute für frühmorgendliche Hektik, Feierabendchaos, endlosen Stau auf der Autobahn oder überfüllte S-Bahnen – doch jetzt vermisse ich sie, die Pendelzeiten.

Arbeitet man im Homeoffice, ist der längste Pendelweg der, von der Küche ins Arbeitszimmer oder andersrum. So ist die Möglichkeit einer zeitlichen und räumlichen Distanzierung von der Arbeitswelt nicht mehr gegeben. Arbeit und Freizeit verschwimmen ineinander. Eine klare Trennung dieser zwei Lebensbereiche ist jedoch essenziell, weil sie uns ermöglicht, nicht nur unser Privatleben richtig zu genießen, sondern auch besser und produktiver zu arbeiten.

Mehrarbeit durch Heimarbeit?

Die Gefahr der Entgrenzung wird vor allem im Homeoffice häufig unterschätzt. Man glaubt, man hätte gerade durch die Einsparung von Pendelwegen mehr Zeit für die Familie und/oder die eigenen Hobbies. Oft ist aber leider das Gegenteil der Fall.

Da das »Abschalten« jenseits des Büros in der Regel schwerfällt, neigen Heimarbeiter oft dazu, übermäßig viel zu arbeiten. Mehrere Studien zeigen, dass Heimarbeiter deutlich mehr arbeiten als die Kollegen vor Ort und insbesondere Mitarbeitende, die jeden Tag von zu Hause aus arbeiten, häufen bis zu sechs Überstunden pro Woche an.

Diese klare Trennung fällt uns in Zeiten des Corona-Virus besonders schwer. Nicht nur, weil wir uns in einer Ausnahmesituation befinden, in der wir jeden Tag von zu Hause aus arbeiten müssen, sondern auch weil der Großteil der üblichen Freizeitaktivitäten im Moment wegfällt.

Jetzt sind wir deshalb mehr denn je drauf angewiesen, uns und unsere Zeit selbst und vor allem bewusst zu organisieren. Ich habe für Sie deshalb elf hilfreiche Tipps aufgeschrieben, wie Sie eine ausgewogene Balance zwischen Arbeits- und Privatleben im Homeoffice erhalten können.

Wenn das Zuhause plötzlich zum Büro wird: Wege aus der Entgrenzung in Zeiten des Corona-Virus

  1. 1. Definieren Sie für sich realistische Arbeitsziele: Überlegen Sie sich, was Sie im Laufe des Tages oder der Woche abarbeiten wollen, schreiben Sie das auf und vor allem: bleiben Sie dabei realistisch! Nehmen Sie sich lieber ein bisschen zu wenig als zu viel vor. Das schützt Sie vor Frustration und sichert eine gewisse Kapazität für unerwartete, dringende Aufgaben (Pufferzeiten).
  2. 2. Setzen Sie klare zeitliche Grenzen: Wann fange ich an? Wann höre ich auf? Schaue ich abends nochmal in die E-Mails? Eine klare Antwort auf diese Fragen ermöglicht uns, die zeitlichen Grenzen unseres Arbeitstages vor Augen zu haben und uns daran zu halten. Halten Sie sich an Ihre übliche Arbeitsstruktur und Arbeitszeiten, wenn es in der aktuellen Situation möglich ist.
  3. 3. Kommunizieren Sie aktiv Ihre Arbeitszeiten: Informieren Sie Ihre Kollegen und Kolleginnen oder Familienmitglieder über Ihren täglichen Zeitplan. Was wir laut sagen oder schreiben, fühlt sich automatisch verpflichtender an und für die anderen wird klar, wann Sie ansprechbar sind und wann nicht.
  4. 4. Behalten Sie Ihre Überstunden im Blick: Schreiben Sie Ihre Arbeitszeit und Ihre Überstunden täglich auf. Werfen Sie jeweils Ende der Woche einen Blick auf den neuesten Verlauf und versuchen Sie sich zu vergewissern, welche Faktoren zu dieser Entwicklung geführt haben.
  5. 5. Gestalten Sie regelmäßige Pausen im Laufe des Arbeitstags: Ist man allein im Homeoffice, kann man schnell die Pausen aus den Augen verlieren. Es fehlt der Kollege, der ungeduldig im Türrahmen steht und sagt: »Komm, wir machen jetzt Mittagspause!« Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie für sich feste Time Outs festlegen. Sorgen Sie für eine gewisse Regelmäßigkeit, indem Sie die Pausen weder überspringen noch sie zu lange ausdehnen.
  6. 6. Machen Sie Ihre Erreichbarkeit eindeutig erkennbar: Dass Sie im Homeoffice arbeiten heißt nicht, dass Sie ständig erreichbar sein müssen. Über Statusanzeigen in Outlook oder andere Kommunikations- und Kollaborationstools können Sie signalisieren, wann Sie erreichbar sind und wann Sie beispielsweise Feierabend oder Pause machen.
  7. 7. Integrieren Sie Rituale in den Alltag: Unser (Arbeits-)leben ist stark von Ritualen geprägt. Egal ob große oder kleine, sie sorgen für Strukturierung und Stabilität. Im Homeoffice kann ein bestimmtes Ritual, wie zum Beispiel das Anziehen und Ausziehen des Arbeits-Outfits, den Übergang zwischen Arbeit und Freizeit darstellen.
  8. 8. Machen Sie sich neue Technologien zu Nutze: Mittlerweile gibt es unzählige Apps, die unser Leben einfacher machen sollen. Geben Sie ihnen eine Chance! Apps, die die Bildschirmzeit messen und uns regelmäßig Reminder für Bewegungs- und Trinkpausen schicken, können Ihnen zur gesunden Disziplin im Homeoffice verhelfen!
  9. 9. Gestalten Sie bewusst Übergangszeiten, die die Pendelzeiten ersetzen: Pendelzeiten fallen aus? Suchen Sie nach einem guten, möglicherweise sogar besseren Ersatz dafür! Ein 20-minütiger Spaziergang rund um den Block kann helfen, vom Arbeitstag runterzukommen und abzuschalten.  
  10. 10. Trennen Sie Ihren Arbeitsbereich von Ihrem Privaten: Auch, wenn Sie kein Arbeitszimmer haben, ist es wichtig, dass Sie sich einen bestimmten Ort für die Arbeit reservieren und diesen nach dem Arbeitstag wieder aufräumen.  
  11. 11. Schreiben Sie ein Tagebuch: In diesen außergewöhnlichen Zeiten lernen wir alle extrem viel – über neue Formen der Zusammenarbeit aber auch über uns selbst. Ein Tagebuch zu führen, beschleunigt die Lernkurve und steigert unser Reflexionsvermögen. Mit ein bisschen Glück wird daraus ein neuer Bestseller. Und wenn nicht, haben Sie die Chance genutzt, um aus der Situation das Beste zu machen und für die Zukunft zu lernen.  

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Claudia Ricci

Claudia Ricci

Claudia Ricci ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IAO im Team »Zusammenarbeit und Führung«. Sie begleitet Forschungs- und Industrieprojekte zu Fragestellungen rund um neue, zukunftsfähige Formen der Arbeit und interessiert sich für die Themen der Nachhaltigkeit und deren Verankerung in Arbeitsweisen und Arbeitsabläufen.

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