Grenzenlose Arbeitswelt

Ist unser Arbeitszeitgesetz »out of date«?

In der Debatte um flexible Arbeitsformen und in der aktuellen Arbeit innerhalb der »Arbeit 4.0«-Grünbuch-Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) kommen immer wieder die Grenzen bzw. die Zukunftsfähigkeit bestehender arbeitszeitgesetzlicher Vorschriften zur Sprache. Worum geht es? Um die Frage, ob Regelungen wie die Einhaltung täglicher Höchstarbeitszeiten oder die Ruhezeit zwischen Arbeitsbeendigung und Arbeitsaufnahme im Kontext zunehmend entgrenzter Arbeitsformen noch zeitgemäß sind. Und ab wann, salopp formuliert, Arbeit »anfängt«.

KMU: Ausbilden wie in den 60ern oder bilden wie heute?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie stellen nicht nur die meisten Arbeitsplätze, sie sind auch die Hidden Champions der Ausbildung und häufig die Wissenszulieferer für die globalen Unternehmen der Deutschland AG. Das Fundament dieses Wissens bildet(e) seit Jahrzehnten die einmalige Ausbildung.

Fit für flexible Arbeitsformen – nur guter Vorsatz oder schon strategische Priorität?

In vielen Unternehmen sitzen gerade Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern zusammen, um Ziele zu entwickeln, zu operationalisieren und fürs neue Jahr auszurichten. Der Fokus der Führungskräfte selbst verschiebt sich nach einer aktuellen Studie von Hays und IBE von rein fachlichen Aufgaben / Kennzahlen hin zu weicheren, mitarbeiterorientierten Themen. Ein wesentlicher Baustein hierfür sind flexible Arbeitsformen zur Steigerung der Mitarbeitermotivation und Effizienz. Und wie gestaltet sich die Praxis? Die Rückmeldung von knapp zweieinhalbtausend Führungskräften in unserer Studie »Führung in der grenzenlosen Arbeitswelt« gibt einen guten Eindruck über den Status Quo:

Social Freezing: Zeitaufschub – zum Wohl des Unternehmens oder der eigenen Karriere?

Seit gestern überschlagen sich die Meldungen über den neuesten Vorstoß von Apple und Facebook, Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Mit der Kostenübernahme für das Einfrieren von Eizellen soll es jungen Frauen leichter gemacht werden, sich unbeschwert und – vor allem – mit Volldampf der eigenen Karriere und damit auch dem Erfolg des Unternehmens widmen zu können. Kinder sind dann später, wenn Frau fester im Sattel sitzt, immer noch »realisierbar«. Und man hat dann überdies auch noch mehr Zeit, sich für dieses »Projekt« den passenden Vater zu suchen.

Die zweite Welle der Flexibilisierung

In einem Beitrag in der ZEIT vom 28.8.2014 (»Sie wollen an der Uhr drehen«) beschreiben Marc Brost und Elisabeth Niejahr einen grundsätzlichen Wandel in den Motiven und in der Akteurslandschaft derer, die wesentliche Leitplanken flexibler Arbeitskonzepte verantworten. Flexibilisierung, so die These, dient ab jetzt primär den Interessen der Arbeitnehmer, und diese Interessen heißen zunehmend auch: weniger Arbeit oder zumindest lebensphasenangepasste Dimensionierungen und Zuschnitte von Arbeitsarrangements.

Heute schon gelobt?

Ist Ihr Chef manchmal auch so ruhig? Sagt nix? Kein Problem, »ned bruddelt« [nicht geschimpft] ist zumindest in Schwaben »genug gelobt«.

Dass Lob und Anerkennung viel zur eigenen Motivation beitragen, hat er vielleicht einfach noch nicht erfahren. Immerhin ein Drittel aller Führungskräfte bekommt selbst kein Feedback zu ihrer Arbeit. Das zeigen die ersten Ergebnisse aus unserem laufenden Forschungsprojekt »Führung in der grenzenlosen Arbeitswelt«, das wir im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung gerade durchführen.

SNS – Schaffe, Net Schwätza – (k)ein Motto für Wissensarbeiter?

Vor rund 15 Jahren hat das IAO einen prominenten eigenen Beitrag zur damaligen Diskussion um künftige Produktions- und Arbeitskonzepte mit Abkürzungen wie »CIM« (Computer Integrated Manufacturing“) oder »CAB« (Computer Aided Business) geleistet: »SNS«, die Kurzform für »Schaffe, Net Schwätze« war mehr als einmal eine augenzwinkernde Empfehlung für eine echt schwäbische Produktivitätsstrategie. Beim Sortieren alter Vortragsunterlagen ist mir aufgefallen, dass dahinter auch ein Verständnis von Arbeit und Kommunikation steckt, das sich in Zeiten der Wissensarbeit so nicht mehr halten lässt, aber immer noch in vielen Köpfen ist: nämlich das weit verbreitete Verständnis, dass Kommunikation keine »echte« Arbeit ist, sondern bestenfalls koordinative Zutat oder gerade mal notwendiges Verbindungsglied zwischen den »echt« produktiven Tätigkeiten der Konzeption, Dokumentenerstellung, praktischen Erstellung von Produktteilen etc.