Testen trotz Corona: Eine Anleitung für Remote Usability Tests

First-Science-KIT: IAO-Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
First-Science-KIT: Blogreihe zum Corona Krisenmanagement
Die Coronakrise fordert von uns allen ganz neue Herangehensweisen und Lösungen im beruflichen Miteinander. Das Fraunhofer IAO hat deshalb eine Blogreihe gestartet, mit der wir schnell anwendbare Praxistipps weitergeben, gut funktionierende Beispiele vorstellen und Lösungswege während und aus der Krise aufzeigen wollen.

Zukunftsfähige Produkte, die Kund*innen langfristig überzeugen, entstehen nicht per Zufall. In normaleren Zeit würden Sie Ihre Software oder Ihr Produkt mit Kund*innen testen – nur wie soll das nun noch funktionieren, wenn jeder alleine zu Hause sitzt?

Es funktioniert. Wie im Moment so häufig, muss man etwas kreativ in der Gestaltung werden, doch die Ergebnisse überzeugen uns. Wir haben unsere Erfahrungen als Praxistipps verfasst, um Ihnen den Einstieg zu erleichtern:

Usability Tests sind generell eine gute Methode, um einen Prototypen oder auch ein fertiges Produkt genauer auf Bedienungsprobleme und Verbesserungspotenziale zu untersuchen. Ein derartiger Test ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Potenzielle Nutzer verwenden das Produkt oder die App und bekommen Aufgaben gestellt.
  • Usability Test Leiter*in moderiert und beobachtet den Test.

In diesem Blogbeitrag befasse ich mich mit einem synchronen Remote-Test für eine Software oder ein App, die beim Teilnehmer auf dem Bildschirm läuft. Sollte eine Mobiltelefon-App oder ein Produkt außerhalb von Desktop und Smartphone getestet werden, so muss der Aufbau natürlich dementsprechend angepasst werden. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, asynchron – also ohne Moderation – zu testen. Dies erfordert aber einen grundlegend anderen Aufbau des Test-Settings.

Remote Usability Tests haben ihre eigenen Gesetze. Vieles, was wir bei anlogen Tests mit persönlichem Kontakt voraussetzen können, muss bei Remote Usability Tests virtualisiert oder so gestaltet werden, dass Nutzer*innen die Testsituation intuitiv verstehen können. Mit den folgenden Aspekten lassen sich funktionsfähige Remote-Testumgebungen gestalten:

  1. 1. Kommunikation zum Nutzer – welche Medien wollen wir nutzen? Natürlich Screensharing, aber welche Tools? Wir haben uns für Skype Business entschieden. Unser Prototyp lief im Browser.
  2. 2. Hardware-Ausstattung – was kann ich beim Nutzer voraussetzen? Mikrofon und Kamera sind wichtig und müssen ggf. vor dem Test abgefragt oder organisiert werden. Wenn ich weiß, ob das Gegenüber zwei Monitore besitzt, kann ich mein Testkonzept darauf auslegen.
  3. 3. Teilnehmer-Briefing: Wir haben Zeit eingeplant, um die Umgebung auch gemeinsam aufzusetzen. Möglicherweise haben die Testpersonen noch nie Skype Business verwendet und müssen sich erst damit vertraut machen. Dazu haben wir unsere Hilfe angeboten.
  4. 4. Klare, schriftlich vorliegende Instruktionen: Das hilft den Teilnehmenden und den Moderierenden, sich ganz auf den Test zu konzentrieren.
  5. 5. Lautes Denken: Bei dieser Methode bitte ich als Moderatorin die Testteilnehmer darum, mich an ihren Gedanken zur Software oder App teilhaben zu lassen. Dadurch kann ich besser verstehen, wo möglicherweise Bedienprobleme liegen. Das ist schon bei herkömmlichen Tests einer der Schlüssel zum Erfolg und in Remote-Situationen sogar noch wichtiger.
  6. 6. Zeitplanung: Für Remote-Tests planen wir immer ein bisschen mehr Zeit ein: Mal hakt es beim Setup, mal gibt es einen Verbindungsabbruch. Es ist gut, wenn wir dann nicht unter Druck geraten.

Remote-Tests sind immer noch keine gängige Praxis und auch für uns hatten die ersten Tests Pilotcharakter – umso erfreulicher, dass das Feedback der Teilnehmer*innen insgesamt sehr positiv ausfiel. Ein Resümee, dass alle Projektbeteiligten zogen, war, dass auch ohne Corona so manche Reise wohl vermeidbar wäre. Dies deckt sich im Übrigen auch mit bereits sehr früh durchgeführten Untersuchungen, die – bei damals noch wesentlich unausgereifterer Software – Remote Usability Tests mit Labortests verglichen (z.B. Burmester u. Burger 2007, siehe Leselinks).

Planen auch Sie einen Remote Usability Test und wissen nicht genau, wie anfangen? Oder haben Sie bereits einen durchgeführt? Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Ein Remote Usability Test ist ein Werkzeug aus unserer UXellence Toolbox. Weitere Werkzeuge, Vorgehen und Methoden stellen wir Ihnen auch gerne persönlich vor.

Die UXellence Toolbox vereint unser umfangreiches Wissen aus jahrelanger Forschung in einem praxistauglichen Werkzeugkoffer, der aus 3 Elementen besteht:

  • Ein strukturiertes Vorgehen zur Nutzereinbindung, das sich lückenlos in Ihren Produktentwicklungsprozess eingliedert
  • Methoden der Nutzereinbindung, die modular kombinierbar sind, um passgenaue Erkenntnisse für Ihr Produkt und Ihre Fragestellung zu liefern
  • Der UXellence-Faktor – Eine Kombination aus Forschungsergebnissen und Best Practices, mit der wir dem Produkt zum WOW-Effekt verhelfen

Machen Sie sich jetzt den ersten Schritt, weg von verwirrenden, langweiligen Produkten, für die man ein Handbuch braucht, hin zu moderner, intuitiver Software, die man mit Freude bedient!

Leselinks:

Doris Janssen

Doris Janssen

Wirtschaftsinformatikerin mit Faible für Human Factors. Denkt viel darüber nach, wie man Usability- und User Experience- Methoden so aufbereiten kann, dass sie auch in kleinen Unternehmen mit überschaubaren Ressourcen eingesetzt werden können.

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