Vernetzte Wertschöpfung für den Mittelstand: Eine gute Plattform beginnt im Kopf

BIEC – Business Innovation Engineering Center
BIEC – Business Innovation Engineering Center
Das Business Innovation Engineering Center (BIEC) möchte kleine und mittlere Unternehmen in Baden-Württemberg bei ihren Digitalisierungsmaßnahmen unterstützen und so die Innovationsfähigkeit im Mittelstand steigern.

»Die anderen sind vollständig digitalisiert und setzen auf Plattformen. Ich muss unbedingt etwas tun, sonst werde ich abgehängt.«

Der Eindruck, alle anderen wären weiter, ist zwar verbreitet, täuscht aber über die reale Situation deutscher Unternehmen hinweg: Noch sind sinnvolle gewinnbringende Lösungen die Ausnahme. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besteht noch sehr viel Spielraum, um die eigene Digitalisierung voran zu treiben, sich zusammen zu schließen und begeisternde Lösungen für das Geschäft von morgen zu entwickeln. Am Fraunhofer IAO starten wir deshalb eine Blogreihe, um die verschiedenen Möglichkeiten und Ideen für Digitalisierung, Vernetzung und Plattformen aufzuzeigen. Verschiedene Praxisbeispiele z.B. aus den Kompetenzzentren des Mittelstand-Digital zeigen, dass gerade KMU durch die gemeinsame Nutzung oder Etablierung einer Plattform Vorteile generieren können. Es ist also nicht nur etwas für die ganz großen Unternehmen. Zum Schluss sollte der Kunde einen Vorteil davon haben, z.B. mehr Sicherheit, einen leichteren Prozess oder eine schnellere Lieferung. Eine Plattform kann etwas Kleines und Spezifisches sein, sie ist (nur) die Basis für eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Vernetzung und Plattform – ein Beispiel

In den vergangenen Monaten wurde die Logistikbranche durch den pandemiebedingten Auftragsboom sehr gefordert. Deshalb wollen wir sie als Beispiel nehmen. Stellen wir uns vor, wir wären ein kleiner bis mittelgroßer Logistikunternehmer, der hauptsächlich Getränke liefert und hätten viele Informationen über Kundenbeziehungen und natürlich die typischen Statistiken. Wir liefern Getränke verschiedener Hersteller sowohl an Getränkemärkte, die an Privatpersonen als auch an Großverbraucher wie Restaurants und Kantinen verkaufen. Wir bemerken immer mal wieder, dass es zu starken Schwankungen bei Angebot und Nachfrage kommt, sodass wir immer wieder an unsere Grenzen kommen und in anderen Wochen gerne ein Paar Lieferungen mehr machen würden. Auch unsere Kunden – z.B. Restaurants – wünschen sich eine einfachere Lösung, so dass sie nicht selbst immer vorausdenken müssen. Stellen Sie sich vor, während eines Fußballspiels England gegen Schottland kommen kurzfristig viele Anfangen und Ihnen geht das Bier aus, nur weil Sie das Spiel nicht auf dem Schirm hatten.

Abbildung 1: Informationen zu Füllständen und Verbrauch.
Abbildung 2: Zusätzliche Informationsquellen.
Abbildung 3: Kombination der Informationen zur Service Gestaltung.
Abbildung 4: Informationen und Verbrauchsprognosen.
Abbildung 5: Gesamte Plattform.

Manuelles Ablesen der Lagerbestände? Notizen auf Papier und Bestellung per Telefon? Womöglich ist es auch noch analog?

Wir fangen damit an, erste große Abnehmer mit Sensoren auszustatten und erfassen die Lagerbestände, damit auch die Verbrauchszahlen. Kombiniert mit anderen Informationen, wie z.B. Veranstaltungskalendern aus der Umgebung, Feiertagen, Urlaubsbuchungen der umliegenden Hotels, lernen wir ein System an, dass uns ermöglicht, Bedarfsprognosen zu erzeugen. Wir liefern unseren Kunden die Getränke, idealerweise bevor er sie braucht, bedarfsgerecht, damit wir seine Lagerkapazität nicht überschreiten, und planbar. Schritt für Schritt laden wir andere Logistiker in der Umgebung ein, mitzumachen. Über die entstandene Plattform sorgen wir dafür, dass alle ausgelastet und auf der sicheren Seite sind.

Auch die Getränkehersteller könnten diese Informationen gut gebrauchen, um ihre Produktion und damit auch den Personal- und Materialbedarf besser planen zu können. Händler könnten so in Zukunft die Getränke einfach abholen, ohne diese umständlich manuell bestellen zu müssen. Auch der Hersteller kann dadurch sein Außenlager verkleinern.

Wer ist Betreiber der Plattform? Wie sieht das Zusammenspiel aus?

In diesem übertragbaren Beispiel betreibt der Getränke-Logistikunternehmer die Plattform, er hat schon viele Informationen. Aber auch der Getränkehersteller, eine Restaurantkette oder ein Getränkehändler können eine solche Plattform ins Leben rufen. Je nach Betreiber ändert sich die Plattform und das dahinterliegende Geschäftsmodell. Der Erfolg der Plattform hängt maßgeblich von diesem Modell ab, welches drei Themengebiete betrachtet:

  • Nach innen oder außen gerichtete Wertschöpfung
  • Struktur-, Organisations- und Technologiefragen
  • Zielgruppen und Umgang mit und zwischen Wettbewerbern und Kunden

Wenn Sie als Unternehmen dienstleistungsorientiert sind oder neue Dienstleistungen für Produkte anbieten möchten und mehr herausholen möchten, ist es sinnvoll, sich mit Plattformen auseinandersetzen. Sie haben Daten und die Idee, dass mehr darin steckt? Lassen sie uns gemeinsam methodisch vorgehen, die existierenden Informationen ergänzen und neue Konzepte entwickeln. Sprechen Sie mich gern an!

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David Blank

David Blank

Designer und Projektleiter am Fraunhofer IAO. Usability, User Experience, spannende Gestaltung und neue Technologien wie Augmented Reality begeistern ihn und bringen die nötige Magie ins Spiel. In seiner Freizeit ist er außerdem Mountainbiker und Fotograf. 42!

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