Was kommt nach Open Innovation? Vier Handlungsempfehlungen für das Innovieren im Ökosystem

Technologie allein ist im Zeitalter von Inkubator-Modellen, wechselnder Kundenansprüche und extrem kurzer Entwicklungszyklen keine hinreichende Bedingung mehr für nachhaltig erfolgreiche Innovation. Innovation wird mehr und mehr zu einem sozialen Prozess, bei dem Netzwerkfähigkeit, Vielfalt und kooperative Strukturen zu Schlüsselkompetenzen werden. Trotzdem sind auch im Jahr 2019 Ansätze wie »Open Innovation« eher Utopie als Realität. Ein Grund dafür könnte der Mangel an Methoden und Erfahrungen sein, der aus dem abstrakten Begriff »Open Innovation« gelebte Innovationspraxis macht.

Ideas to Market: Einstieg in das kollaborative Innovieren

Wir haben im Rahmen des Forschungsprojekts »Ideas to Market« neue Methoden zur systematischen Entdeckung von Innovationsoptionen auf der Basis bestehender Technologien entwickelt. Basierend auf dem Konzept des Innovationsökosystems werden nicht-unternehmerische Akteure in klassische Innovationsprozesse integriert und an diesem beteiligt (Co-Creation). Zunächst muss hierfür ein gemeinsames Grundverständnis hergestellt werden. ExpertInnen aus den Designwissenschaften und der Technologieentwicklung erstellen dazu gemeinsam eine für Laien verständliche Beschreibung einer Technologie. Im zweiten Schritt entwickeln unterschiedliche gesellschaftliche Akteure in einer Crowdsourcing-Kampagne eigene Ideen für die Anwendung der Technologie und bringen die spezifischen Sichtweisen und Erfahrungen aus ihrem Alltag ein. Anschließend diskutieren Industrie-ExpertInnen die entstandenen Ideen und konkretisieren sie für ihre Branche.

Learning #1: Binden Sie Akteure dort ein, wo Sie Mehrwert schaffen können

Verschiedene Perspektiven und Kompetenzen sind nur dann gewinnbringend, wenn sie gut orchestriert werden. Erfolgreiche Kollaboration muss die jeweiligen Akteure dort in den Innovationsprozess einbinden, wo ihr Wissen und ihre Erfahrung am wirkungsvollsten sind. Es ergibt beispielsweise wenig Sinn, PolitikerInnen bei der Austüftelung von Geschäftsmodellen einzubinden oder IngenieurInnen bei der sozialen Implementierung in Innovationen.

Um Co-Creation möglichst effektiv zu nutzen, definieren wir in »Ideas to Market« kontinuierlich Expertise-Anforderungen für die unterschiedlichen Phasen des Innovationsprozesses und können so Zielgruppen für die Co-Creation identifizieren. Durch eine klar definierte Zielgruppe stellen wir sicher, dass die Innovationsideen im weiteren Verlauf konkreter diskutiert werden und schließlich in relevante Tech-Innovationen münden.

Fragen Sie sich also bereits in der Konzeptionsphase ihrer Innovationsprozesse, welcher Prozessschritt welche Expertisen erfordert und welche Akteure ihnen die Antworten auf Ihre brennenden Fragen liefern können.

Learning #2: Aktivieren Sie Akteure »richtig«

Nach der Definition der benötigten Expertisen stellt die angemessene Ansprache der Zielgruppe den zweiten Baustein erfolgreicher Co-Creation dar. Jede Akteursgruppe besitzt ihre eigene Sprache, bevorzugte Kommunikationsmedien und informelle Praktiken. Das Wissen um und der Umgang mit diesen kommunikativen »Subkulturen« ist entscheidend für die Akzeptanz und Einbindung verschiedener Akteure.

In »Ideas to Market« testen wir unterschiedliche Arten, Technologien verständlich zu beschreiben. Wir erstellten beispielsweise eine technisch-rationale, abstrakte und metaphorische Version, die wir iterativ an unterschiedlichen Samples testeten. Basierend auf dem Feedback der TeilnehmerInnen und den von Ihnen erstellten Ideen, gewannen wir Einsichten über eine zielgruppenspezifische Kommunikation. Die TeilnehmerInnen erhielten vor allem kurze, anschauliche Beschreibungen, die auf Mobilfunkgeräten schnell zu erfassen sind und den Informationsgehalt auf das Wesentliche reduzierten.

Fragen Sie sich, welche Informationen Ihre Zielgruppe der Co-Creation benötigt und auf welchem Medium und mit welcher Sprache Sie diese effektiv erreichen können. Konzipieren und testen Sie unterschiedliche Versionen, um eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie für die Co-Creation zu definieren.

Learning #3: Ermöglichen Sie Abstimmung und Ausgleich durch mehrstufige Kreativitäts- und Analysephasen

Die kreativen Prozessschritte der Co-Creation sind nur dann erfolgreich, wenn sich vielseitige Perspektiven mehrfach austauschen können. Moderieren Sie diesen kreativen Austausch und sorgen Sie dafür, dass sich alle Akteure an jedem Prozessschritt aufeinander abstimmen können.

In »Ideas to Market« haben wir bereits die Konzeption der Co-Creation bewusst mehrstufig strukturiert. So gibt es im Prozess insgesamt drei zusammenhängende Arbeitsphasen aus kreativer Ideation und analytischer Selektion. Das Ergebnis einer Phase bildet den Startpunkt der nächsten Phase, welche jeweils durch eine andere Akteursgruppe durchgeführt wird. Durch die Perspektivenvielfalt werden die Innovationsideen mit jeder Iterationsstufe konkreter, realisierbarer und komplexer.

Learning #4: Co-Creation ist nicht das Ziel, sondern der Beginn einer neuen Art und Weise des Innovierens

Die in diesem Beitrag dargestellten Handlungsempfehlungen beschränken sich nicht nur auf Co-Creation mit Technologie-Bezug, sondern gelten auch für nicht-technologische Innovationen. Sie ist dabei keine Blaupause für ein neues Innovationssystem, sondern der Startpunkt in eine andere Art und Weise Innovation zu denken. Das Projekt »Ideas to Market« hat gezeigt, dass neue Methoden und Herangehensweisen nötig sind, um aus Vielfalt, Offenheit und gesellschaftlicher Verankerung von Innovationsprozessen tatsächlich konkreten Mehrwert zu schaffen. Für das Innovieren im Ökosystem ist Co-Creation eine notwendige Bedingung und ein Einstiegsszenario in das Kollaborative Innovieren – mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten für alle, die sich darauf einlassen.

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Innovationsprojekten.

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