Zwei Tage Maker-Spirit für Morgenstadt-Lösungen

Haben Sie in Ihrem Unternehmen ein passendes Programm, um die Mitarbeitermotivation Bottom-up zu entwickeln?

Für mich als Wissenschaftler ist es sehr wichtig, jeden Tag mit hochmotivierten Kolleginnen und Kollegen, Studierenden und externen Projektpartnern arbeiten zu dürfen. Motivierte Menschen bringen sowohl die Organisation als auch mich persönlich voran. Diese wertvolle Erfahrung mache ich bei den Workshops unseres Open-Photonik-Netzwerks in besonderem Maße in Workshops mit Jugendlichen. Worum geht’s dabei?

»Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre Ideen für eine gesunde Morgenstadt-Maker, Ingenieure, Studenten, Wissenschaftler und Designer arbeiten zusammen, um die Ideen der Teens an einem Tag umzusetzen.«

Der Ansatz, für eine übergreifende Fragestellung in einem interdisziplinären Team innerhalb kurzer Zeit eine prototypische Lösung zu erarbeiten, lässt sich aus meiner Sicht in vielen Aspekten 1:1 auf Unternehmen übertragen. Im Verlauf der Maker-Workshops mit über 60 Teilnehmenden aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und beruflichen Disziplinen konnte ich folgende Erfolgsfaktoren beobachten:

1) Open Mindset von jungen Menschen ist wichtig als Innovationstreiber

Junge Menschen sind noch frei von Vorbehalten, offen für »wilde Ideen« und damit erstmal uneingeschränkt. So haben die Jugendlichen in Interviews mit Bürgern alle möglichen Herausforderungen und Lösungsideen für die Stadt von morgen gesammelt wie stressfreier Verkehr, Grünflächen gewinnen, weniger Lebensmittel verschwenden und Zeittreiber im Alltag reduzieren. Erst die Fülle der manchmal vielleicht unmöglich anmutenden Ideen haben so zu höchst spannenden Lösungsvorschlägen geführt.

Städte werden in der Vision der jungen Workshop-Teilnehmer autofrei sein. Mit Tram und autonomen Segways können Ziele stressfrei erreicht werden. Foto: Truong Le © Fraunhofer IAO
Ein Smart-Traffic-Managementsystem errechnet die optimale Verkehrsmittelwahl sowie den optimalen Zeitpunkt, so dass alle Verkehrsteilnehmer der Stadt ihre Ziele ohne Stau erreichen. Foto: Truong Le © Fraunhofer IAO
Ein Zeitmanager in Kombination mit zahlreichen Funktionen soll Menschen, die in Zeitstress sind, den Alltag erleichtern. Eine Funktion des Zeitmanagers übernimmt bspw. das automatische Bezahlen von Tickets in öffentlichen Verkehrsmitteln durch das Registrieren des Ein- und Ausstiegs. Foto: Truong Le © Fraunhofer IAO
Haushalte geben ihre Schätzung für den wöchentlichen Lebensmittelbedarf in eine Smartphone-App und bezahlen einen Aufpreis für zusätzliche unvorhergesehene Bedarfe. Hierdurch wird die Lebensmittelverschwendung drastisch reduziert. Foto: Truong Le © Fraunhofer IAO
Arbeiten unter Zeitdruck bringt Menschen zusammen und steigert die gegenseitige Motivation und Leistung des Teams. Foto: Truong Le © Fraunhofer IAO
Schwimmende Lagerhäuser in Kombination mit einem Pumpspeicherkraftwerk: Bei Energieüberschuss wird Wasser eingepumpt und das Lagerhaus angehoben. Zusätzlich kann das Wasser als thermischer Energiespeicher verwendet werden. Am Lagerhaus können bestellte Lebensmittel oder Waren abgeholt werden. Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO
Autofreie Stadt: Laufende Magnetbänder transportieren Kleinfahrzeuge in der autofreien Stadt. An Kreuzungspunkten kann eine Richtungsänderung durchgeführt werden. Über das Smartphone können die Kleinfahrzeuge gebucht werden. Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO
Individuelles unterirdisches Beförderungsmittel. Die Kabinen tauchen an bestimmten Stellen an der Oberfläche auf. Kabinen können aneinander angedockt werden. An den Stationen kann man mit anderen Fortbewegungsmitteln die Fahrt fortsetzen. Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO
Ressourcenoptimiertes Tiny-House mit einklappbaren Funktionsmodulen. Beim Schlafen wird das Bett aufgeklappt. Unterschiedliche Beleuchtungsmodi für die einzelnen Tagesabläufe. Foto: Sebastian Lotz, Institut für Technische Optik, ITO

2) Den Spieltrieb von Jung und Alt fördern: Neuartige Werkzeuge für die Umsetzung von Prototypen

Am zweiten Tag haben wir über 30 Profis aus unterschiedlichen Disziplinen eingeladen, um die Ideen der Jugendlichen weiterzuentwickeln. Aber der Vormittag stand im Zeichen des Spielens. So wie Kinder mit Lego erstaunliche Bauwerke erschaffen, helfen neuartige Werkzeuge und Methoden kreativen Teams, ihre Idee in einen ersten Prototyp umzusetzen. Der im BMBF-geförderten Projekt BaKaRoS vom Institut für technische Optik entwickelte Prototyping-Baukasten hat es unseren Teilnehmenden ermöglicht, ihre technischen Ideen mit wenig Aufwand zu realisieren. Zusätzliches Baumaterial von fischertechnik erlaubt es auch den Nicht-Technikern, ihre Ideen spielerisch umzusetzen. Einfach einsetzbare Bauteile aus Optik und aus Mikroelektronik erlauben das schnelle Konzipieren von Produktideen – wie die Datenbrille an einem Nachmittag. Hier dürfen sich Ingenieure und Programmierer austoben, sobald die Frage »welches Problem lösen wir heute?« geklärt ist.

Neben dem Projekt BaKaRoS haben drei weitere Open-Photonik-Projektpartner senseBox, Personal Photonics und OpenLicht neueste Prototyping-Werkzeuge beigesteuert. Eine umfangreiche Prototyping-Ausstattung wie diese hilft nach meiner Erfahrung dabei, kreative Prozesse zu beschleunigen.

3) Interdisziplinäres Teamwork und Begeisterung für die Vorarbeit der jungen Menschen

Ein weiterer, erfolgsentscheidender Aspekt ist die Begeisterung für die gemeinsame Idee und der Team-Spirit. Durch das Auseinandersetzen mit den Workshop-Ergebnissen der jungen Menschen wurde bei den teilnehmenden Profis des zweiten Workshops die intrinsische Motivation, eine Begeisterung geweckt, die eigenen Kompetenzen in den Workshop einzubringen, um gemeinsam sinnvolle Lösungen für die Stadt von morgen zu generieren. Dazu kam die Überraschung der Teilnehmenden am zweiten Tag, wie schnell die jungen Menschen gelernt haben, professionelle Prototyping-Werkzeuge wie Laser-Cutter, Microcontroller sowie Photonik-Komponenten einzusetzen. Wer mit Begeisterung und Motivation an einer Aufgabe arbeitet, lernt auch neue Dinge schnell dazu, wenn sie zur Lösung der Aufgabenstellung dienen.

4) Wissen teilen: Open Source als ständiger Quell des Innovationsprozesses

Alle in beiden Workshops generierten Ideen sind das Ergebnis offener Zusammenarbeit. Die Ideen stehen der interessierten Community im Sinne von Open Source zur Verfügung. Bürger, Städte, Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, die im Smart-City-Kontext arbeiten, sind aufgefordert, diese Ideen weiterzuentwickeln. Ein Workshop-Teilnehmer aus der Industrie gab uns nach dem Workshop ein interessantes Feedback: Seine Teilnahme am Open-Photonik-Workshop wurde von seinem Arbeitgeber als sehr positiv wahrgenommen. Man hat ihn vier Wochen danach in den »High Potential Pool« aufgenommen.

Mein Fazit

Der Maker-Spirit »Einfach machen« wird zu einer wichtigen Kompetenz in der zukünftigen Arbeitswelt. An einem Workshop-Nachmittag kann ein Unternehmen somit den Maker-Spirit kennenlernen und dabei gute Ideen entwickeln. Außerdem sind solche Workshops eine wertvolle Gelegenheit, um Kontakt mit jungen Talenten für eine Zusammenarbeit zu knüpfen.

Die Erforschung eines neuen Open-Source-Prototyping-Ansatzes ist eines der Forschungsthemen des Fraunhofer IAO und weiterer Partner im Forschungsprojekt »BaKaRoS – Baukastensystem zur Realisierung optischer Systeme«. Das BaKaRoS-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme »Open Photonik« gefördert. Das Projekt wurde Anfang Dezember 2016 gestartet und läuft bis Ende November 2019.

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