Licht als Erfolgsfaktor in der Produktion: »Activity Based Lighting«

»Es werde Licht… in der Montage!« – So oder so ähnlich könnte die Überschrift der Zusammenarbeit zwischen dem österreichischen Lichtsystemhersteller Zumtobel und den Forschern des Fraunhofer IAO lauten. In einem gemeinsamen Projekt wurde in der Modellfabrik des Fraunhofer IAO ein Arbeitsplatzsystem entwickelt, das mit modernster Beleuchtung sowie einer neuartigen Lichtsteuerung ausgestattet ist und sich optimal an individuelle Aufgaben und Bedürfnisse anpasst. Man könnte sagen: Industrie 4.0-fähig – individuell, dynamisch und aufgabenbezogen.

Intelligente Beleuchtung für die intelligente Fabrik

Die Anforderungen an Unternehmen steigen weiter. Kürzere Durchlaufzeiten und schnell wechselnde Aufträge in Losgröße 1 verlangen nach neuen Lösungen – auch bei der Gestaltung des Arbeitsumfelds in der Produktion. Heute sind Arbeitssysteme standardisiert: Die gleichen Arbeitsbedingungen für jeden Mitarbeitenden. Im Zuge der Digitalisierung wird es nun möglich, die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Beim so genannten Activity Based Lighting stellt sich das Arbeitsumfeld optimal auf den Mitarbeiter – aber auch auf das herzustellende Produkt und die jeweilige Arbeitsaufgabe – ein.
Ziel ist sowohl die Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Fehlerreduktion, als auch eine deutliche Verbesserung der Ergonomie an den Arbeitsplätzen für die Mitarbeitenden und damit ein Beitrag für gute Arbeit in der Fabrik 4.0.

Ergonomie des Lichts

Je nach Produkt, Arbeitsort, der jeweiligen Arbeitstätigkeit und den individuellen Präferenzen des Einzelnen passt sich das Licht dynamisch an. Lichtintensität, -farbe und -richtung verändern sich also mit dem Arbeitsfortschritt. Ziel ist, zu jedem Zeitpunkt das richtige Licht bereit zu stellen: Beugt man sich bei einem feingliedrigen Montageschritt kurzzeitig über das Produkt, wird zusätzlich seitliches Licht zur Unterstützung zugeschaltet; führt man nach der Montage eine Sichtprüfung durch, erhöht sich die Lichtintensität für die Dauer der Aufgabe; zur Unterstützung des Tag-Nacht-Rhythmus stellt sich das Licht in der Nacht auf eine wärmere Lichtfarbe ein, mit deutlich reduziertem Blauanteil und je nach Alter der Mitarbeitenden korrigiert die Beleuchtung die altersabhängige Eintrübung des Auges.

Digital vernetzt zur optimalen Lichtqualität

Wer sich mit seinem Mitarbeiterausweis am System anmeldet, bekommt seine individuell präferierte Lichteinstellung eingestellt. Das jeweilige Produkt ist mit einem RFID-Chip ausgestattet und meldet sich an den Montagestationen an. Das Produkt und der zugehörige Arbeitsplan werden erfasst. Für die unterschiedlichen auszuführenden Montagetätigkeiten sind spezifische Lichtstimmungen hinterlegt. Der Arbeitsfortschritt und damit die Lichtsteuerung werden über den Wechsel der einzelnen Montagestation und intelligent angebrachte Sensorik automatisch erfasst.

Schauen Sie sich das System an! Hier im Video – oder besuchen Sie unsere Modellfabrik für Industrie 4.0-Anwendungsfälle am Fraunhofer IAO in Stuttgart!

Leselinks:

Tobias Strölin

Tobias Strölin

Tobias Strölin hat das Institut 2016 verlassen.

Autorenprofil

1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.