User Experience Design: Positive Erlebnisse mit Technik verstehen und gestalten

Nichts ist schlimmer, als wenn sich die Benutzer über die Menüführung ärgern, das Design langweilig finden oder Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Anbieters haben. Positive Erlebnisse wie Freude und Kompetenzerlebnisse dagegen motivieren zur weiteren Benutzung und erhöhen die emotionale Bindung an das Produkt und die Marke. Positive User Experience (UX) – positive Erlebnisse – sind der Schlüssel für Produkterfolg. User Experience ist aber viel mehr, als nur ansprechendes Design oder eine gut gemachte Bedienung – User Experience basiert auf positiven Emotionen und dahinter stehenden Benutzerbedürfnissen. Das Fraunhofer IAO hat deshalb ein wissenschaftlich fundiertes Modell entwickelt, das diese Einflüsse berücksichtigt und systematisch für UX-Design und UX-Bewertung nutzbar macht.

Das Ziel: Feel-good-Technik für den Nutzer
Der sich stark entwickelnde Forschungsbereich der UX und dessen große Bedeutung für die Industrie zeigen, dass das Erleben der Nutzer während der Interaktion mit einem Produkt zunehmend in den Vordergrund rückt. Positive Erlebnisse mit Produkten tragen entscheidend zum Erfolg bei. Die Potenziale von Produkten, bestimmte Emotionen auszulösen, sollten daher bereits früh in der Produktentwicklung identifiziert und gezielt gestaltet werden.

Das Fraunhofer IAO lenkt dazu die Aufmerksamkeit vom Produkt selbst (z.B. Funktionen, Applikationen) auf menschliche Emotionen und Gefühle, um die aktuelle subjektive Seite der Produktnutzung zu beleuchten. Die Befriedigung tiefer menschlicher Grundbedürfnisse, wie z.B. das Bedürfnis nach Verbundenheit, Kompetenz und Autonomie, löst positive Emotionen bei der Nutzung von technischen Produkten aus. Daher ist es von entscheidender Bedeutung herauszufinden, ob und welche Attribute eines Produkts bestimmte Bedürfnisse adressieren.

Produkt-Erlebnisse messen und bewerten
Um die UX eines Produkts zu verbessern, entwickelt das Fraunhofer IAO neue Methoden. Beim UX Concept Testing werden zum Beispiel frühe Produkt-Konzepte erlebbar gemacht: Gezielt werden Erlebnisse mit dem Produkt simuliert und dadurch die spätere UX messbar gemacht. Dieser Ansatz macht es möglich, dass Nutzer die potenzielle UX eines Produkts in ihrer individuellen Umgebung im Alltag bewerten können. Das UX Concept Testing kann aber nicht nur Produkt-Konzepte bewerten, sondern auch neue Produkteigenschaften oder sogar vollkommen neue Produkte identifizieren. Andere Methoden unterstützen die Bewertung und Messung der UX eines Produkts mit Standard-Verfahren, wie spezifische UX-Fragebögen, die bei Produkttests oder Präsentationen effizient eingesetzt werden können.

Viele Unternehmen verfügen über etablierte Prozesse und Methoden zur Optimierung von User Interface Design und Usability. UX Methoden greifen oft tiefer: Sie werden in frühen Phasen der Produktentwicklung und im Innovationsmanagement eingesetzt. Der Vorteil dabei besteht genau in der Verbindung der Methoden und Informationen verschiedener Bereiche, z.B. Produkttests in der Entwicklung, Vertrieb und Support, Produktinnovation, aber auch Marketing und Brand Management. Diese übergreifende Perspektive der User Experience Prozesse wird durch Einführungsstrategien, die verschiedene Bereiche einbezieht, erreicht.

Sandra Schoenrade

Sandra Schoenrade

Sandra Schoenrade hat das Institut 2012 verlassen.

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