Corona und Homeoffice: wie »virtuell innovativ« ist Deutschland?

Vor genau einem Jahr, im März 2020, wurde angesichts des Anstiegs der Corona-Infektionen ein erster Lockdown mit Reise- und Kontaktbeschränkungen sowie Schließungen zahlreicher Einrichtungen des sozialen Lebens beschlossen. Gleichzeitig hat auch die deutsche Wirtschaft einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie geleistet: Produktionskapazitäten wurden heruntergefahren, Kurzarbeit eingeführt und Beschäftigte konnten umfassend aus dem Homeoffice arbeiten. Zeit, Bilanz zu ziehen: wie konsequent konnten deutsche Betriebe die Möglichkeiten einer virtuellen Zusammenarbeit bisher umsetzen? Wie stark hat die Corona-Pandemie als Katalysator die Verbreitung von Homeoffice und virtueller Zusammenarbeit in den Betrieben gewirkt? Und welche Learnings nehmen sie ins »New Normal« mit?

Homeoffice – Der Tod der Teamkreativität?

Die Stärke der deutschen Wirtschaftskraft beruht im Wesentlichen auf der Innovationsfähigkeit der Schlüsselindustrien KfZ- und Maschinenbau, Chemie, Elektrotechnik sowie den Informations- und Kommunikationstechnologien. Gerade Unternehmen aus diesen Branchen sind sich unsicher, wie es nach Lockerungen oder nach einer Eindämmung des Corona-Virus mit ihrer digitalen Arbeitswelt weitergehen soll. Wie viel »New Normal« fördert die F&E in den Unternehmen und ab wann behindert die virtuelle Zusammenarbeit die notwendigen Kreativ- und Innovationsprozesse?

Was denken die Unternehmen, wie die Pandemie ihre F&E beeinflusst hat?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden und deutschen Unternehmen Empfehlungen zum zukünftigen Umgang mit dem Homeoffice zu geben, hat das Fraunhofer IAO mit Forsa 325 mittelständische und große Unternehmen der deutschen Schlüsselindustrien und aus der Branche Finanzen und Versicherungen zu ihren Erfahrungen und Ansichten im Umgang mit der Corona-Pandemie, ihrer F&E-Arbeit und der virtuellen Zusammenarbeit befragt.

Ein Schlaglicht aus unserer Forschung zeigt ein differenziertes und gemischtes Meinungsbild der Unternehmen (siehe Abbildung). Demnach halten sich die Unternehmen, welche den Einfluss der virtuellen Zusammenarbeit auf ihren Innovations-Output als positiv bewerten ungefähr die Waage mit jenen, die ihren Einfluss negativ bewerten. Fast drei Viertel (71%) der Unternehmen sehen jedoch gar keinen Effekt. Im Vergleich finden sich bei der Bewertung des Einflusses der virtuelle Zusammenarbeit auf die Teamprozesse deutlich mehr Optimisten als Pessimisten, was sich mutmaßlich langfristig positiv auf den Innovations-Output auswirken kann. Unabhängig von den Umsatz-Einbrüchen durch die Corona-Pandemie legen diese Zahlen also die Vermutung nahe, dass der Innovationsstandort langfristig von der verstärkten Nutzung von Homeoffice profitieren wird.

Abbildung 1: Einschätzung mittelständischer und großer Unternehmen zu den Effekten der virtuellen Zusammenarbeit auf ihre Innovationskraft (gewichtete Ergebnisse, n1=285, n2=321).
Quelle: Erhebung des Fraunhofer IAO.
Abbildung 1: Einschätzung mittelständischer und großer Unternehmen zu den Effekten der virtuellen Zusammenarbeit auf ihre Innovationskraft (gewichtete Ergebnisse, n1=285, n2=321).
Quelle: Erhebung des Fraunhofer IAO.

In den kommenden Wochen werden wir hier im IAO-Blog konkrete Fragen zum Einfluss von Corona und Homeoffice auf die F&E-Arbeit der deutschen Wirtschaft beantworten – mit einem Fokus auf die Entwicklung in einzelnen Branchen, mittelständischen oder großen, älteren oder jüngeren Unternehmen und komplexeren, kontextsensiblen Analysen:

1. Der volkswirtschaftliche Blick:

Wie haben sich die Corona-Pandemie und das Homeoffice auf den Umsatz und das Innovationsgeschehen der deutschen Industrie ausgewirkt?

2. Der betriebswirtschaftliche Blick:

Wie haben sich die Corona-Pandemie und die virtuelle Zusammenarbeit auf die Innovationsprozesse in den Unternehmen selbst ausgewirkt?

3. Der sozialwissenschaftliche Blick:

Was sind die Auswirkungen des Homeoffice auf das Arbeitsklima in F&E-Teams?
Wie wurden Kooperationen mit Innovationspartnern wie Hochschulen beeinflusst?

4. Der Blick in die Zukunft:

Welche Elemente von »New Work« wollen Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie beibehalten?
Was für eine Strategie für eine optimale Nutzung der Möglichkeiten virtueller Zusammenarbeit kann aus der Studie abgeleitet werden?

Mehr Informationen in unserem virtuellen DigitalDialog am 27. April 2021

Sie wollen nicht warten? Im DigitalDialog »virtuell innovativ« präsentieren wir unsere Studienergebnisse aus erster Hand. Die Teilnehmenden erfahren, wie und in welchem Umfang die befragten Unternehmen die virtuelle Zusammenarbeit und das Homeoffice eingeführt haben. Wir berichten, wie sich nach Einschätzung der Unternehmen ihre Innovationskraft durch die Corona-Pandemie und die Ausweitung des Homeoffice entwickelt hat. Es wird gezeigt, welche Homeoffice-Strategien am erfolgreichsten durch die Krise geführt haben und welche Maßnahmen die Unternehmen auch »Post-Corona« beibehalten wollen. Einen Einblick in seine Erfahrungen im Rahmen der Corona-Pandemie gibt zudem Erik Wirsing, Vice President Global Innovation bei DB Schenker. Er berichtet, wie in seinem Unternehmen die virtuelle Zusammenarbeit in der F&E erfolgreich gestaltet werden konnte. Anmeldungen sind ab jetzt möglich.

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Clemens Striebing

Clemens Striebing

Clemens forscht am Center for Responsible Research and Innovation des Fraunhofer IAO über Organisationskulturen und Diversity in Forschungs- und Entwicklungsprozessen. Er ist überzeugt, dass es die Reibungen zwischen unterschiedlichen Sichtweisen sind, die zu sozialen Innovationen führen.

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