Das Nutzenversprechen ist bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen die »Brücke« zwischen Ressourcen und Markt. Oder eben dem, was das Unternehmen leisten bzw. verkaufen kann und dem, was Kunden nachfragen, respektive zu kaufen bereit sind. Was ist es nun, das Kunden im Markt für Gesundheitsprävention kaufen möchten? Gesundheit? Sicherheit? Lifestyle? Wie können in diesen Bereichen Nutzen angeboten und – ganz wichtig – kommuniziert werden?

Gesundheit ist ein geradezu postmoderner Begriff, der sehr unterschiedlich interpretiert und genutzt werden kann – aber genau von dieser Interpretation hängt der Erfolg eines Geschäftsmodells im Bereich Gesundheitsprävention ab.

Gesundheit nicht immer am selben Ort
Bild: »Subwaysports«, © F.Kicherer, 2010Welches Bild haben wir von »Gesundheit«? Ist Gesundheit = Sport? Immer und überall, z.B. auch in der S-Bahn? Gesundheitsorientierte Angebote sind meist so ausgelegt, dass diese in der Freizeit wahrgenommen werden (müssen). Doch was ist mit den Konsumenten, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen, deren Freizeit aber zwischen zwei Terminen oder gar während einer Geschäftsreise liegt? Erste Beispiele zeigen bereits, wie Gesundheitsdienste in den Alltag integriert werden können – und zwar so, wie der Kunde es will: durch die Kombination aus Trainings- und Coaching-Leistungen mit entsprechenden Apps und modernster, gut verfügbarer Hardware kann eine intensive Betreuung bei weitest gehender Zeit- und Ortsunabhängigkeit erreicht werden.

Sicherheit ist nicht nur Hardware
Sicherheit ist für uns üblicher Weise die Vermeidung unmittelbarer und/oder tödlicher Gefahren: Rauchmelder, Helme, Schutzbrillen etc. Im Vergleich zu Gesundheit kommen beim Thema Sicherheit spontan eher Produkte in den Sinn. Zumeist sind dies nicht einmal all zu teure Gegenstände. Aber auch Bodyguards schützen. Sicherheit kann also auch als Dienstleistung angeboten werden. Sicherheit mit Gesundheit gibt es auch, Beispiel Personal Coaching. Allerdings: Sicherheit in Bezug auf Prävention und Gesundheit lässt sich nicht durch das Schüren von Ängsten an Konsumenten verkaufen. Prävention benötigt eine positive emotionale Aufladung. Auf Leistungen im Bereich Gesundheitsprävention übertragen heißt das: »Durch diese Leistung gewinnen Sie Lebensfreude, Sie fühlen sich gut, energetisch und sind fit wie nie zuvor!« und nicht: »Wenn Sie diese Leistung nicht benutzen, werden Sie an einem äußerst bedenklichen gesundheitlichem Zustand leiden«.

Lifestyle nicht nur für LoHaS (nach engl. Lifestyles of Health and Sustainability bezeichnet Personen, die einen Lebensstil pflegen, der von Gesundheitsbewusstsein geprägt ist.)
Mit »Lifestyle« werden nach allgemeinem Verständnis Adjektive wie »modern«, »attraktiv« oder »erstrebenswert« assoziiert. Niemand will den »falschen« Lifestyle haben. Blickt man in die Branche der Unterhaltungselektronik, so hat sich dies als beinahe unermüdliche Geldquelle erwiesen. Warteschlangen zum Verkaufsstart von Smartphones mit integriertem Musikplayer mit Design aus Cupertino beweisen dies immer wieder auf eindrucksvolle Weise. Wer die »richtigen« Gadgets hat, die »richtigen« Services in Anspruch nimmt, kann sich gewiss sein, zu den »Guten« zu gehören. Oder zumindest am Puls der Zeit zu leben, »in« zu sein. Eine hervorragende Chance für Dienstleistungen im Bereich Wellness und Gesundheit.

Der richtige Mix für die Zielgruppe
Die Kombination von Gesundheit, Sicherheit und Lifestyle ermöglicht Angebote zur Primär-Prävention von Krankheiten. Ein Beispiel hierfür ist »Fit heute – Fit Morgen«, eine Maßnahme, die derzeit im Rahmen eines Verbundforschungsprojekts von der Schwenninger Krankenkasse und der 4sigma GmbH angeboten wird. In einem 12 Monate dauernden Programm soll den Teilnehmern dabei geholfen werden, ihren Lebensstil umzustellen. Mit einfach umsetzbaren Schritten wird mehr Aktivität in den Alltag integriert und das Bewusstsein für gesunde Ernährung geschärft. Dabei hilft eine telemedizinische Betreuung, ein kleiner, schicker Aktivitätssensor, z.T. eine positive Gruppendynamik und nicht zuletzt der Anreiz, eine zu Beginn des Programms zu entrichtenden Schutzgebühr nach erfolgreicher Teilnahme wieder zurückerstattet zu bekommen. Instant-Effekte werden nicht versprochen, dennoch können die Teilnehmer direkt ab dem Beginn Veränderungen ihrer Parameter nachverfolgen.

Welche Rolle spielen technische Innovationen bzw. Technologien aus dem Bereich Ambient Assisted Living (AAL)? Erleichtern sie »nur« die Arbeit der Dienstleister? Ermöglichen sie erst ganz neue Geschäftsmodelle? Der Markt muss hier sicherlich genauestens beobachtet werden. Bleiben Sie mit uns am Radar!

Florian Kicherer

Florian Kicherer hat das Institut 2012 verlassen.

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Kategorien: Mensch-Technik-Interaktion, New Work / Connected Work
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