Dieselfahrverbot – Quick-Check für eine elektromobile Zukunft

Die Meldungen überschlagen sich in der aktuellen Tagespresse: »Dieselfahrverbot in Stuttgart: Was bedeutet das für Nürnberg?«, »Droht ein Diesel-Fahrverbot in Göttingen?«, »Aachen prüft Dieselfahrverbot« oder »Diesel-Fahrverbot in Berlin rückt näher« – landein, landaus wird die Möglichkeit diskutiert, den beliebten Selbstzündern die Zufahrt zur Innenstadt zu verwehren. Und auch wenn auf dem kürzlich stattgefundenen Dieselgipfel eine Software-Nachrüstung als Lösung der Abgasproblematik beschlossen wurde: die Technologie scheint angezählt. Deshalb lege ich mich fest, »Dieselfahrverbot« (alternativ »Stickoxide« oder einfach nur »Diesel«) hat das Zeug zum Wort des Jahres 2017 – oder natürlich auch zum Unwort, je nachdem.

Möglichen Dieselfahrverboten ein Schnippchen schlagen

In die Debatte, ob Dieselfahrverbote die richtige Lösung sind oder nicht, will ich mich gar nicht einmischen. All denjenigen, die sich nun nach Alternativen umsehen, möchte ich aber folgende Forschungserfahrungen zum Thema Elektromobilität ans Herz legen:

  • E-Autos sind alltagstauglich
    Unsere langjährige Forschung am Fraunhofer IAO und der Universität Stuttgart hat gezeigt: Elektroautos sind mehr als alltagstauglich! Selbst mit den mehr als fünf Jahre alten Fahrzeugen unserer E-Flotte (u.a. Opel Ampera und Nissan Leaf der 1. Generation) lassen sich Alltagsfahrten problemlos bewältigen.
  • Ladeinfrastruktur in Sicht!
    Dies ist nicht zuletzt dem stetig wachsenden Schnellladenetz zu verdanken. Damit die bestehende Infrastruktur weiter verbessert wird, erforschen wir im Projekt SLAM (Schnellladenetz für Achsen und Metropolen) das Nutzungsverhalten an Schnellladestationen in Deutschland.
  • Elektromobilität nach und mit Maß
    Bei passendem Fahrtenprofil ist ein problemloser Einsatz von Elektrofahrzeugen sogar ohne das verhältnismäßig kostspielige Schnellladen möglich – der von der Deutschen Post entwickelte StreetScooter ist hierfür das beste Beispiel. Auch unsere Forschung zum Thema Mikromobilität zielt in diese Richtung: so viel Auto, wie nötig – so wenig Emissionen, wie möglich!
  • Elektromobilität kann sich rechnen lassen
    Insbesondere für Pendler, die ihr Fahrzeug daheim oder am Arbeitsplatz laden können, kann sich eine Umstellung auf den Elektroantrieb auch finanziell auszahlen. Mit dem »Kostenrechner für Elektrofahrzeuge« lässt sich das Amortisationspotenzial schnell und einfach berechnen.
  • Den Fuhrpark elektrisieren
    Flottenbetreibern, die aktuell eine Fahrzeugflotte auf Dieselbasis betreiben, sollten über Fuhrpark-Elektrifizierung nachdenken. Durch das Forschungsprojekt »elektromobilisiert.de« sowie weitere Industrieaufträge wissen wir, wie es geht – von der detaillierten Fuhrparkanalyse bis zum Beschaffungsmanagement für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur. Und wir rechnen für Sie aus, ob es sich lohnt.
  • Elektroautos im Energienetz einbinden
    Auch für die Herausforderungen die eine weitreichendere Elektrifizierung der Mobilität mit sich bringt, bspw. die Stabilität des Stromnetzes, haben wir Lösungen vorausgedacht. Mithilfe von Technologien, die im Rahmen des Living Labs Micro Smart Grid am Institutszentrum Stuttgart erprobt werden, lässt sich die Energieversorgung dezentralisieren und damit unabhängig von externen Faktoren eine stabile Stromversorgung sicherstellen.

Elektromobilität als Alternative zu Diesel? Foto: Ludmilla Parsyak, © Fraunhofer IAO

 

Es wird passieren – mit oder ohne deutsche Beteiligung

Natürlich darf an dieser Stelle der obligatorische Appell an die hiesige Automobilindustrie nicht fehlen. Wie mittlerweile vielen bekannt sein sollte, beschränkt sich das Elektroautoangebot deutscher Hersteller auf ein unattraktives Mindestmaß. Die Musik spielt woanders: In Kalifornien, wo Tesla kürzlich die ersten Exemplare des massentauglichen »Model 3« ausgeliefert hat. Oder in China, wo elektrisch angetriebene Fahrzeuge massiv staatlich gefördert werden und 2030 schon knapp die Hälfte aller Neuzulassungen ausmachen sollen. Spätestens die Diesel-Debatte lässt also eine zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs unabwendbar erscheinen. Damit ist klar: die Zukunft fährt elektrisch! Verbraucher und Hersteller haben es damit selbst in der Hand, ob »Dieselfahrverbot« für sie zum Wort oder Unwort des Jahres 2017 wird. Wie oben aufgezeigt, verfügen wir am Fraunhofer IAO weitreichende Kompetenzen um Ihr Mobilitäts-Blatt zum Guten zu wenden. Nutzen Sie diese und sprechen Sie uns an!

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Felix Röckle

Felix Röckle

Studierter Wirtschaftsingenieur und Innovationsmanager, der Ineffizienz nicht ausstehen kann. Deshalb forscht er am Fraunhofer IAO zu effizienten Lösungen für die Mobilitätsherausforderungen von morgen. Auch privat viel unterwegs – in der Stadt am liebsten mit dem Fahrrad.

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