Open Data und Logistik – ein unschlagbares Duo

Urbane und regionale Logistik sind Schlüsselherausforderungen für die Städte der Zukunft, die wir nicht bewältigen werden, wenn wir nicht zu einem neuen Umgang mit Daten finden. Während im Bereich städtischer Logistik oft ein Mangel an Daten herrscht, so sind es bei Open Data meist die Anwendungen. Durch die Schaffung und Nutzung von Synergien in den Bereichen Open Data und urbaner sowie regionaler Logistik können zahlreiche neue Anwendungen entstehen. Zukünftig müssen Lösungen in diesem Zusammenhang aber vor allem die Entsorgungslogistik adressieren. Denn wo versorgt wird, muss auch entsorgt werden!

Entsorgungslogistik – das Bindeglied zu einer nachhaltigen Welt

Die Bedeutung und das Potenzial der Logistik für eine nachhaltigere Welt sind enorm. So hat sich die Zahl versandter Pakete in Deutschland im Bereich Kurier, Express, Paket (KEP) seit dem Jahr 2000 auf knapp 3 Milliarden Stück pro Jahr nahezu verdoppelt und jedes dieser Pakete verursacht zusätzlichen Müll. Zwar sinkt die Gesamtmenge (in Tonnen) des jährlichen Abfallaufkommens in Deutschland seit einigen Jahren, aber die Menge an Siedlungsabfällen und der Haushaltsabfälle steigt! Während zahlreiche Bereiche der Städte bereits digitalisiert werden, muss dies auch für die Entsorgungslogistik gelten. Nur so ist eine integrative Nachhaltigkeit möglich – es sei denn, unsere Städte sollen die Müllhalden von morgen werden.

Logistik – ein datenhungriger Riese erwacht

Die Logistik hat einen enormen Datenhunger. Durch nichts wird dies besser symbolisiert als durch den Aufstieg des Online-Versandhändlers amazon zu einem Technologie- und Service-Giganten. Die zunehmende Vernetzung, das »Internet of Things« sowie das semantische Web bieten ungeahnte Möglichkeiten für neue Services und Echtzeitanwendungen. So wird momentan mit Kofferraumzustellung, »Predictive Shipping«, autonomen Zustellmethoden, Crowd-basierten Ansätzen oder 3D-Druck als dezentrale Produktion experimentiert. Diese Konzepte sind leider noch nicht im Bereich der Entsorgungslogistik verortet, aber sie zeigen eindrücklich, was die Logistik der Zukunft benötigt: Daten, Daten, Daten und Daten!

Open-Data-Konzepte für eine nachhaltige Logistik

Die gute Nachricht für neue Konzepte ist, dass zahlreiche Daten bereits vorhanden sind. Die schlechte Nachricht: Sie sind oft nicht so einfach zugänglich. Deshalb muss der Open-Data-Gedanke dringend gefördert werden, um die wirtschaftlichen und nachhaltigen Potenziale der Logistik nutzen zu können. Open Data wird mit der kostenlosen Freigabe von Daten durch Unternehmen und Kommunen gleichgesetzt. Es gibt aber zahlreiche andere Möglichkeiten zur Gewinnung von Open Data für smarte Services in der Logistik, die weniger kontrovers sind:

  • Parsen von Webinhalten und Nutzung des Web 2.0
  • Auswertung öffentlich zugänglicher Sensorinfrastruktur (Beispiel Webcams)
  • Tauschangebote im Sinne von Service gegen Daten (Beispiel Smartphone-Apps)
  • Installation kostengünstiger Sensorinfrastruktur (Beispiel Raspberry Pi, Arduino)

Neue Experimentierräume für eine smarte Entsorgungslogistik

Die Möglichkeiten, an Open Data zu gelangen, sind vielfältig und die Einsatzmöglichkeiten in der Entsorgungslogistik ebenfalls. Durch die Kombination mit Sensorik und Auswertungen im Sinne des Web 2.0 ergeben sich hier spannende und wirtschaftliche Anwendungsfälle. Während im Ausland schon zahlreiche Möglichkeiten von der intelligenten Mülltonne bis hin zur drohnenunterstützten Roboter-Müllabfuhr erprobt werden, sieht es in Deutschland noch ziemlich mau aus. Deshalb haben wir uns vorgenommen, Ihnen aufzuzeigen, wie Sie aus Schrott Gold machen. Freuen Sie sich auf mehr!

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Tobias Männel

Tobias Männel

Forscht an den Themenfeldern urbane Logistik und Mobilität sowie Smart City. Ihn beschäftigt die Frage, wie sich unser Verkehrssystem von morgen effizient und ressourcenschonend gestalten lässt, ohne die Mobilität der Bürger einzuschränken. Guter Verkehr ist Verkehr, der gar nicht erst stattfindet. Denn Mobilität ist nur das Mittel auf dem Weg zu unserer Bedürfnisbefriedigung. Großes Potenzial liegt darin, unsere Fahrten oder Fahrzeuge zu substituieren, z.B. durch intelligente Logistikkonzepte der letzten Meile.

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