Less stress! Neurobiologische und psychologische Methoden für gesündere Arbeit

Während Corona wurde uns der Zusammenhang zwischen Arbeits(über-)belastung und psychischer Gesundheit mehr als deutlich bewusst. Ärzt*innen, Pflegekräfte, Mitarbeitende im Einzelhandel und Reinigungskräfte arbeiteten über ihre Belastungsgrenzen hinaus und erlebten Momente der Überbelastung, Stress und Kraftlosigkeit. Doch auch im Homeoffice mussten sich Mitarbeitende durch das plötzliche »new normal« komplett umorientieren, anpassen, Familie und weitere Verpflichtungen unter einen Hut bringen und dabei weiterhin gute Leistungen erbringen. Jede*r hatte sein persönliches Päckchen in der Situation zu tragen, viele von uns ein größeres.

Die Überlastungsspirale mit Prävention ausbremsen

Dass Überlastung, Stress und Überforderungserleben weder gut für die Gesundheit noch für unsere Leistungen auf der Arbeit sind, ist nichts Neues. Psychische Probleme wie Ängste, Erschöpfungssyndrome und psychosomatische Beschwerden nehmen zu. Burnout und Depression mutieren immer weiter zu einer Volkskrankheit. Zwar gewinnt psychische Gesundheit immer mehr an Wichtigkeit, der notwendige Fokus darauf ist jedoch noch nicht vorhanden. Vor allem Arbeitgeber müssen sich stärker mit dem Thema auseinandersetzen, weil Arbeit eine der Hauptstressquellen unserer Zeit darstellt und nur gesunde Arbeitnehmende wirklich Leistung bringen können.

Nicht nur Gesundheit hängt mit Stress und Überlastung bei der Arbeit negativ zusammen, auch die Arbeitszufriedenheit. Je höher die Belastung, umso niedriger kann die Zufriedenheit sein: Fehlende Zufriedenheit wiederum verringert auch die Motivation und Kreativität. Nur ein gesunder Verstand kann kreativ und effektiv arbeiten.

Wie lässt sich nun Stress und Überlastung reduzieren? Wie kann man psychisches Wohlbefinden fördern? Ansätze gibt es viele, einem Ansatz wird aktuell jedoch noch wenig Beachtung geschenkt: Prävention. Prävention vor Intervention lautet die Devise! Handeln bevor die Mitarbeitenden burnouten. Mehr nach dem Wieso und der Ursache fragen. Doch wie kann man das machen? Indem man Stresserleben und potenzielle Überlastungsquellen während der Arbeit identifiziert.

Zum Glück lässt sich Stress mittlerweile sehr gut nachweisen, sowohl auf subjektiver Ebene (eigenes Erleben), als auch auf objektiver Ebene (körperliche Reaktionen). Wir vom Team Applied Neurocognitive Systems haben es uns zur Aufgabe gemacht, Stress und Belastungen während der Arbeit zu erfassen. Basierend auf den Ergebnissen erarbeiten wir organisationale Handlungsempfehlungen und optimieren Prozesse hin zu mehr Entlastung und Wohlbefinden der Mitarbeitenden.

Wie lässt sich Stress und Überforderung auf psychischer Ebene nachweisen?

Zahlreiche Fragebögen zu subjektivem Stresserleben können hierfür genutzt werden. Auch Interviews und qualitative Verfahren wie Tagebucheinträge o.ä. helfen weiter. Soll Stresserleben live gemessen werden, empfehlen sich intervallartig präsentierte Erhebungen, z.B. über Smartwatch oder Tablet, die Arbeitnehmende regelmäßig während der Arbeitszeit ausfüllen. So lassen sich Verlaufskurven erstellen und ein genauer Überblick über Stresszeiten identifizieren.

Vorteil: Subjektives Erleben kann erfasst werden und Nachfragen bei Person möglich.
Nachteil: Wahrnehmung kann durch äußere Umstände und sozialem Druck beeinflusst sein.

Wie lässt sich Stress und Überforderung auf körperlicher Ebene nachweisen?

Verschiedene Parameter, wie Puls, Herzratenvariabilität und Hautleitfähigkeit werden herangezogen, um auf körperlicher Ebene Stress nachzuweisen. Auf neurobiologischer Ebene kann dies mittels Elektroenzephalografie (EEG) oder funktioneller Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) erfolgen. Alle Arten sind weder invasiv noch in irgendeiner Weise schmerzhaft. Die Personen können diese Geräte auch während der Arbeit tragen. Je nachdem, ob man sich viel oder wenig im Beruf bewegt, eignen sich eher körperliche oder neurobiologische Methoden.

Vorteil: Millisekunden genau Stress im Körper nachweisen, auch wenn eine Person es selbst noch gar nicht bemerkt.
Nachteil: Keine Informationen über den Kontext, was der Grund für den wahrgenommenen Stress war.

Die ideale Lösung: Eine Mischung aus beidem!

Sowohl subjektive als auch objektive Methoden haben Vor- und Nachteile, deshalb empfehlen wir eine Kombination aus beiden, um Stress und Belastung bei der Arbeit zu messen. Ein gutes Abbild der Ist-Situation ist wichtig, um die richtige Soll-Situation anzustreben.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Mir ist wichtig, Unternehmen mit diesem Beitrag folgende Botschaft mitzugeben: Machen Sie die Gesundheit (sowohl die psychische als auch die physische) zur Priorität der Arbeitsgestaltung. Analysieren Sie die Arbeitsaufgaben und betrachten Sie den Arbeitsplatz Ihrer Mitarbeitenden. Gibt es Verbesserungspotenziale? Wäre eine Evaluation des täglichen Stresserlebens sinnvoll? Will ich nachhaltig in die Prävention meiner Mitarbeitenden investieren? All das sind wichtige Fragen, die Sie sich stellen können, bevor Burnout auch in Ihrem Unternehmen zum Problem wird. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie wir am Fraunhofer IAO Sie bei diesen Themen unterstützen und begleiten können, nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf!

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Nektaria Tagalidou

Nektaria Tagalidou

Psychologin im Team »Applied Neurocognitive Systems«. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit neuroadaptiven Technologien zur Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und positiver UX. Für sie ist die Neurowissenschaft eine Chance unsere Arbeit und unseren Alltag angenehmer zu gestalten – ganz nach dem Motto: less stress!

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