Macht das glücklich – oder kann das weg? Was Sie von Marie Kondo über Frugales Innovieren lernen können

Wer liest schon Gebrauchsanleitungen? Viele Kunden wünschen sich einfache, robuste Lösungen, die durch Qualität fernab von Technikverliebtheit und Over Engineering überzeugen. Für andere ist dagegen die komplexe High-end Lösung genau richtig. Professionelle Fotografen arbeiten meist mit technisch anspruchsvollen Kameras. Viele Laien, die sich für Fotografie begeistern, möchten auch hochwertige Bilder erstellen. Sie können (und wollen) sich aber kein teures Profi-Gerät leisten und verzweifeln oft an deren Funktionsumfang. Optimal wäre ein günstiges Produkt, das exzellente Qualität bei einfacher Bedienbarkeit bietet, indem es sich auf die wesentlichen Funktionen beschränkt – eben eine Frugale Innovation.

Marie wer? Die Kunst der Reduktion aufs Wesentliche

Kaum zu glauben, dass es jemandem gelingen kann, selbst überzeugte Aufräummuffel für das Ausmisten im großen Stil zu begeistern. Marie Kondo hat es geschafft. Die quirlige Japanerin bringt zurzeit Menschen weltweit bei, wie man sich mit wenigen Regeln und viel Enthusiasmus eine Lebens- und Arbeitsumgebung schafft, die durch Reduktion und Ordnung begeistert. Ihre wesentliche Strategie beruht auf zwei Punkten:

  1. 1. Sich von allem befreien, was einen nicht glücklich macht, so dass Raum für Dinge entsteht, die einem wirklich am Herzen liegen
  2. 2. Die Dinge, die bleiben sollen, übersichtlich verstauen.

Wichtig hierfür ist die Bestandsaufnahme am Anfang: Was habe ich eigentlich alles? Dann geht man Schritt für Schritt durch jede Kategorie, beispielsweise Bücher, indem man alle einzeln zur Hand nimmt und sich eben die Frage oben stellt: »Macht das glücklich – oder kann das weg?«

Bei Frugalen Innovationen sollten sich Unternehmen genau dieselbe Frage stellen und zwar in Bezug auf ihre anvisierten Kunden. Auch hier ist es wichtig, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, in diesem Fall über mögliche Funktionen. Und dann bewusst zu entscheiden, welche wirklich wichtig sind, welche nicht und welche vielleicht zusätzlich Sinn ergeben. Denn das ist mir persönlich beim meiner Marie Kondo-Aktion aufgefallen: Durch das radikale Entrümpeln wird einem sehr bewusst, worauf es eigentlich ankommt, was man eigentlich wertschätzt, so dass hier auch der Wunsch nach mehr entsteht, nur eben sehr bewusst gewählt.

Das Geheimnis ist die Fokussierung

Einen klaren Fokus auf eine eingegrenzte Zielgruppe zu legen und diese genau zu kennen, ist hierfür natürlich entscheidend. Schließlich kann man beim Durchstöbern der Küche auch nur selbst entscheiden, ob Omas Sonntagsgeschirr einen strahlen oder seufzen lässt. Darüber hinaus ist es wichtig, eben auch darauf zu achten, dass Frugale Innovationen positive Begeisterungsmerkmale enthalten, die für Ihre speziellen Kunden ein mehr an Glück bedeuten. Dies kann eine einfache Bedienbarkeit sein, ein schlanker schneller Service oder eine Zusatz-Funktion, die selbst High-end Lösungen nicht haben.

Wie Frugale Innovationen gelingen, zeigt ein aktueller Beitrag des Bayrischen Rundfunks unter dem Titel »Genial einfache Produkte«. Neben spannenden Lösungen aus den Bereichen Automobil und Medizin werden auch die Aktivitäten des Zentrums für Frugale Produkte und Produktionssysteme (ZFP) am Fraunhofer IAO und IPA vorgestellt.

Jetzt möchte ich mehr wissen…

Die Möglichkeit mit erfahrenen Praktikern zu diskutieren und Neues aus der Wissenschaft zu erfahren, erhalten Sie auf der InnoFrugal Germany Conference am 19. November. Das deutschsprachige Event richtet sich explizit an die Wirtschaft und lädt speziell auch kleine und mittelständige Unternehmen (KMU) zu einem Erfahrungsaustausch ein. Neben spannenden Industriereferenten wie dem Landmaschinenkonzern Claas und dem Umwelttechnik-Startup Helioz berichten auch ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ihren Erkenntnissen.

… und selbst loslegen

»Ärmel hoch« heißt es bei den Seminaren der TAE (Technische Akademie Esslingen) und des Fraunhofer IAO. Ein Basic-Seminar am 19. September vermittelt frugale Denkweisen und schult die Fähigkeit einfache und zugleich smarte Lösungen zu entwickeln. Beim Advanced-Seminar am 2. Dezember steht konkretes Methodentraining anhand eines Fallbeispiels im Vordergrund. Darüber hinaus können KMU aus Baden-Württemberg sich für ein kostenloses Coaching durch Fraunhofer-Expertinnen und -Experten im Rahmen eines Exploring Projects bewerben, das durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gefördert wird.

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