Working anywhere – Home Office & Co.

Wissenschafts­jahr 2018: Arbeitswelten der Zukunft
Wissenschafts­jahr 2018: »Arbeitswelten der Zukunft« ist das Thema des Wissenschaftsjahres 2018. Dabei geht es um Fragen, wie sich Arbeit in Zukunft verändert und welche Rolle Forschung und Wissenschaft bei der Bewältigung dieser Veränderungen spielen.

Im letzten Beitrag hatten wir gezeigt, wie wichtig Autonomie für die Wissensarbeit ist. Geht es um den Arbeitsort, spielt das Arbeiten von zu Hause aus – oder auf neudeutsch: Home Office – eine wichtige Rolle.

Schon heute ermöglichen zahlreiche Unternehmen ihren Mitarbeitenden in gewissen Grenzen im Home Office zu arbeiten. Aber genauso tun sich viele noch schwer damit die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und den Mitarbeitenden die notwendigen Freiheiten zu geben. Dabei zeigt eine Studie von Gallup, dass Mitarbeiter, die zwischen 20 und 50% ihrer Arbeitszeit im Home Office verbringen, eine höhere emotionale Bindung an ihr Unternehmen haben. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in einer Zeit, in die Unternehmen vermehrt um hochqualifizierte Fachkräfte kämpfen müssen.

Warum Home Office und welche Tätigkeiten üben Heimarbeiter dort aus?

Warum aber möchte man zu Hause und nicht im Büro arbeiten? Und was sind typische Tätigkeiten, die man im Home Office ausübt? Ganz allgemein gesprochen steckt dahinter der Wunsch freier über die eigene Arbeitszeit und den Arbeitsort entscheiden zu können. Verbunden ist dies mit weiteren Gründen, die auf der Hand liegen: Man möchte weniger Zeit damit verbringen zu pendeln oder hat Verantwortung für Dritte. Neben kleinen Kindern und älteren Verwandten sind das bei fast jedem Vierten auch Haustiere.

Welche Tätigkeiten im Home Office ausgeübt werden, überrascht kaum. In unserer aktuellen Befragung zu Arbeitsweisen im öffentlichen Dienst nutzen die meisten der Befragten – 54% um genau zu sein – das Home Office, um hochkonzentriert und ungestört arbeiten zu können. Also z. B. um Berichte zu verfassen oder Konzepte zu erstellen.

Home Office trotz Einzelbüro

Rechnet man noch die Routinetätigkeiten dazu, so machen die stillen Tätigkeiten 82% aus. Bemerkenswert ist dies, da in dieser Befragung mehr als die Hälfte in einem Einzelbüro arbeitet. Also in jener Büroform, die sich prinzipiell sehr gut dazu eignet, um möglichst störungsfrei und konzentriert an einer Aufgabe zu arbeiten. So möchte man es zumindest meinen.

An dieser Stelle eine Randbemerkung und damit ein Hinweis auf den kommenden Beitrag: Auch wenn es vielfach gewünscht wird, ist das Einzelbüro für viele Arbeitstypen nicht die beste Büroform!

3rd Places – Arbeiten wo man möchte

Arbeiten kann man aber auch abseits des firmeneigenen Büros oder des Home Offices. Ob im Zug (wo auch dieser Beitrag entstand), im Flugzeug oder in einem Café – viele Wissensarbeiter benötigen nur ein Notebook und eine Internetverbindung, um ad-hoc auf wichtige Daten zugreifen zu können. Daneben entstehen seit einigen Jahren überall auf der Welt Coworking Spaces, die man spontan als Arbeitsort für wenige Stunden und Tage nutzen kann.

Und diese vielfältige Nutzung von Arbeitsorten erzeugt eine interessante Wirkung. Wer mehr als 10% seiner Arbeitszeit an unterschiedlichen Orten verbringt, entwickelt bei der Arbeit mehr Ideen.

Working anywhere – Home Office & Co.
Working anywhere – Home Office & Co.

 

Arbeiten abseites des Büros – ob im Home Office oder im Café – wirkt sich positiv auf die Ideenentstehung aus.

Mitarbeiter sensibilisieren: Aufgaben am passenden Ort

Umso diversifizierter Arbeitsorte werden, um so wichtiger wird es Mitarbeiter auch dafür zu sensibilisieren, welche Aufgaben man wo erledigen sollte. Wer regelmäßig mit der Bahn unterwegs ist, erlebt so einiges. Da sind vertrauliche Vertragsunterlagen am Bildschirm des Sitznachbarn einsehbar oder liegen quer verteilt auf dem Tisch. Und Smartphones mit aufschlussreichen Bezeichnungen wie „Smartphone Max Mustermann Musterfirma“ loggen sich ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen in offene Netzwerke ein.

Gerne greifen Menschen auch im Zug zum Telefon und schon mit den ersten Sätzen ist das Interesse der Sitznachbarn geweckt. „Guten Tag Frau Müller, hier spricht Mayer von XYZ. Das, was ich mit Ihnen besprechen möchte, sollte streng geheim bleiben“. Während des Telefonats fallen dann unzählige Namen und als neugieriger Mitfahrer kann man sich schnell und einfach ein Bild vom Unternehmen und den beteiligten Personen machen. WLAN im ICE und eine beliebige Suchmaschine machen es möglich.

Ausblick

Autonomie ist ohne Zweifel ein sehr wichtiger Faktor, um die Motivation von Mitarbeitern zu fördern. Im nächsten Beitrag zeigen wir, dass Autonomie nur ein Baustein ist, der bei der Gestaltung der Arbeitsumgebung berücksichtigt werden muss. Obwohl wir heute schon in einer Welt arbeiten, in der wir relativ unabhängig von Zeit und Raum sind, hat das Büro als gemeinsamer Arbeitsort eine enorme Bedeutung. Und – davon sind wir überzeugt – wird in der Zukunft auch noch wichtiger werden, als er es heute schon ist.

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Dennis Stolze

Dennis Stolze

Projektleiter im Competence Center »Workspace Innovation«. Er forscht daran, wie die Zukunft der Büro- und Wissensarbeit aussieht und was smarte Arbeitskulturen und Arbeitsräume ausmacht.

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