Advanced Systems Engineering: Wer zu spät kommt, den bestraft die Zukunft

Blogreihe Advanced Systems Engineering (ASE)

Blogreihe Advanced Systems Engineering (ASE)
Wer bei ASE erst mal an ein neues Buzzword am Trendhimmel oder die nordische Mythologie denkt, liegt zwar falsch, hat aber schon die richtige Einstellung: Groß denken. Denn hinter dem Begriff steckt ein neues Leitbild für das Engineering von morgen, das die Zusammenarbeit zwischen Mensch, Organisation und Maschine neu definiert und disziplinübergreifendes Arbeiten fördert und organisiert. Warum ist das nötig? Neue Produkte müssen heutzutage immer schneller, flexibler und kostengünstiger entwickelt werden. Hinzu kommen der globale Wettbewerb sowie der Wandel der Arbeitsstrukturen. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen kann die Digitalisierung entscheidend beitragen. Mithilfe geeigneter Methoden, Software und ASE als neues Leitbild können sich Unternehmen dem Wandel der Arbeitsstrukturen stellen und sich im Wettbewerb stark für die Zukunft positionieren.

Einige Pionierinnen und Pioniere sowie Early Adopter gehen die aktuellen Herausforderungen, vor denen die Produktentstehung steht, trotz oder gerade wegen der aktuellen Herausforderungen bereits aktiv an – andere ruhen sich noch auf dem anhaltenden Erfolg der bestehenden Prozesse und Systeme aus. Doch Achtung! Auch in der Produktentwicklung gilt: Wer zu spät kommt…

Viele Produktentwicklerinnen und -entwickler kennen das aus eigener Erfahrung: Eine Kundin oder Kunde fragt ein Produkt an, das sie/er, abgesehen von ein paar Details und neuen Features, vor vier Jahren genauso schonmal bestellt hat. Nun kommt die entscheidende Frage: In welcher Konfiguration wurde das Produkt letztendlich ausgeliefert? Eine mühsame Suche in verschiedenen digitalen und analogen Datenbeständen beginnt … und viele stellen sich spätestens jetzt die Frage:

Wie kann ich die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit meines Unternehmens nutzen?

Das Zauberwort zur Lösung solcher und vieler weiterer Frage- und Problemstellungen heißt Advanced Systems Engineering (ASE). Was sich zunächst sperrig und komplex anhört, hält in Wirklichkeit eine Vielzahl an Lösungsansätzen für die Herausforderungen bereit, mit denen entwickelnde und produzierende Unternehmen aktuell konfrontiert sind.

Das ASE beschreibt eine Zukunftsvision von einer digital durchgängigen Produktentstehung, anhand von drei Säulen (siehe Abbildung 1):

  • den Advanced Systems (AS),
  • dem Systems Engineering (SE)
  • und dem Advanced Engineering (AE)

Diese ermöglicht es, dass heutige und zukünftige Produkte, die Advanced Systems, effizient und flexibel entwickelt, produziert und über die weiteren Lebenszyklusphasen begleitet werden können. Das Systems Engineering bezeichnet den Ansatz für die Handhabung von Komplexität und die detaillierte und effiziente Modellierung von Produkten und Services. Advanced Engineering umfasst neue und agile Organisationsformen, Kreativitätsmethoden, durchgängige Innovationsprozesse und IT-Systeme sowie digitale Technologien wie bspw. die Künstliche Intelligenz (KI).

Abbildung 1: Paradigma des Advanced Systems Engineering (© Fraunhofer IAO)
Abbildung 1: Paradigma des Advanced Systems Engineering (© Fraunhofer IAO)

 

ASE kann sowohl als sehr umfassendes Paradigma, aber auch als Toolbox für die Optimierung einzelner Aspekte des Unternehmens verstanden werden, die – richtig eingesetzt – schon heute große Potenziale in den verschiedensten Unternehmenskontexten entfalten kann. Entscheidend ist hierbei die für die aktuelle Situation des eigenen Unternehmens passenden Aspekte herauszuarbeiten. Welche können das sein?

Ist mein Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt? Machen Sie den Test.

Wir haben eine kleine Übersicht zur Selbstbeurteilung, eine Art Self-Assessment, für interessierte Unternehmen zusammengestellt (siehe Abbildung 2). Damit können Verantwortliche aus Entwicklungsleitung, Innovationsmanagement und andere Produktverantwortliche ihr Unternehmen anhand standardisierter Antwortmöglichkeiten in verschiedenen Kategorien bewerten und so eine erste Orientierung über die Ausgangssituation ihrer Produktentstehung erhalten. So funktioniert’s:

  1. 1. Schauen Sie in jeder Spalte nach dem Stand Ihres Unternehmens und notieren Sie sich die dahinterstehende Zahl.
  2. 2. Summieren Sie alle notierten Zahlen zu einer Gesamtzahl und schauen Sie in der Auswertung, in welcher Ausgangssituation sich Ihr Unternehmen befindet.
Abbildung 2: Selbstbeurteilung: Ist mein Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt? (© Fraunhofer IAO)
Abbildung 2: Selbstbeurteilung: Ist mein Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt? (© Fraunhofer IAO)

 

Wie schaut ihr persönliches Ergebnis aus? Egal, ob Sie eine hohe oder niedrige Punktzahl erzielt haben, kommen Sie gern auf uns zu und lassen Sie uns gemeinsam eine Digitalisierungsstrategie oder erste zielgerichtete Initiativen für ihre Produktentstehung erarbeiten. Denn…

Jedes Unternehmen kann unabhängig vom verfügbaren Budget in die Umsetzung der Digitalisierung starten – Die richtige Strategie ist entscheidend.

Für eine nutzenstiftende, digitale Durchgängigkeit braucht es zunächst keine großen Investitionen in mächtige Softwaresysteme, sondern das Bewusstsein für die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung bietet und die Auswahl der für das Unternehmen relevantesten Initiativen – also die richtige Strategie.
Auf Basis eines umfassenderen Assessments durch uns mit detaillierten Analysen vor Ortunterstützen wir Sie dabei, Ihre Potenziale mit der aktuellen Ausgangssituation in ihrem Unternehmen abzugleichen und eine Strategie bzw. Roadmap zu erarbeiten. Auf dieser soliden Basis können Sie dann sinnvolle Entscheidungen für Investitionen treffen. Gleichzeitig wird eine langfristige Perspektive für die Digitalisierung des Unternehmens geschaffen und einzelne Initiativen können in einen größeren Rahmen eingebettet werden. Somit wird bei Investitionsentscheidungen schnell klar, dass nicht nur die einzelne Maßnahme, sondern ebenso deren langfristiger Beitrag zur Digitalisierung des Unternehmens zu bewerten ist.

Bleiben Sie dran: die Blogreihe zu Advanced Systems Engineering

Dieser Beitrag ist der Start für die Blogreihe zum Themenfeld ASE. In weiteren Beiträgen geben wir Ihnen einen kurzen Überblick zu einigen der spannendsten Themenfelder im Bereich ASE:

  • zielgerichtete Ausgestaltung von End-to-End-Prozessen gemäß dem Motto »ein schlechter, aber digitalisierter Prozess ist weiterhin ein schlechter Prozess«
  • Bidirektionale, digitale Durchgängigkeit zwischen Engineering und Produktion, um einerseits schnell belastbare Daten für die Angebotserstellung zu erhalten und andererseits entwickelte Produkte schnell produzieren zu können
  • Kennzahlen in Digitalisierung sowie FuE unterstützen Analyse und Bewertung von Digitalisierungsvorhaben und machen geschaffene Mehrwerte transparent
  • Anforderungsmanagement als zentrales Steuerungsinstrument und zentrale Schnittstelle zwischen Kundschaft, Vertrieb und Entwicklung
  • Mitarbeitende sensibilisieren und ASE-Technologietransfer: mit dem Mobilen Plug-In Labor erleben, was heute im Themenfeld ASE bereits möglich ist

Möchten Sie mehr erfahren? Treten Sie gerne direkt mit uns in Kontakt oder nutzen Sie die Möglichkeit zum Austausch auf unserem jährlich stattfindenden Advanced Systems Engineering Summit – dieses Jahr am 12. und 13. Juli 2022 auf dem Fraunhofer-Institutszentrum Stuttgart (siehe Leselinks).

Leselinks:

Benjamin Schneider

Benjamin Schneider

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Fraunhofer IAO. Benjamin erforscht Themen rund um das Advanced Systems Engineering und interessiert sich besonders für FuE-Management, Digitale Durchgängigkeit, MBSE und KI. In seiner Freizeit ist er außerdem passionierter Keyboarder.

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